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Hunderttausende wollen Mubarak den »letzten Stoss« versetzen | Drucken |  E-Mail
Ägypten
Freitag, den 04. Februar 2011 um 20:15 Uhr

Hunderttausende gegen MubarakHunderttausende Menschen sind heute wieder auf dem Tahrir-Platz im Zentrum der ägyptischen Hauptstadt Kairo und in anderen Städten des Landes zusammengeströmt, um für einen Rücktritt von Staatschef Hosni Mubarak zu demonstrieren. Hatte die Grossdemonstration nach dem traditionellen Freitagsgebet vor einer Woche noch unter der Losung »Tag des Zorns« gestanden, sollte der heutige Freitag zum »Tag des Abtritts« von Mubarak werden. Die Demonstranten beteten auf dem Platz für Reformen, eine demokratische Öffnung und Wohlstand, berichtet der Korrespondent der kubanischen Agentur Prensa Latina, Ulises Canales, aus Kairo. »Es sind unendliche Schlangen von Menschen, die auf den Platz kommen wollen, aber es gibt eine peinlich genaue Kontrolle durch das Militär«, berichtet Canales. Die Uniformierten wollten offenbar ein Wiederaufflammen der Strassenschlachten der vergangenen Tage verhindern.

Bislang blieb es bei der Demonstration in Kairo offenbar friedlich, allerdings kam es in anderen Städten wie Alexandria wieder zu Provokationen durch Mubarak-Anhänger und Geheimpolizisten. Auch das in der vergangenen Woche vom Regime geschlossene Büro des Nachrichtensenders Al-Jazeera wurde heute angegriffen und verwüstet, wie der Kanal berichtet. Der lateinamerikanische Sender TeleSur informierte, dass Sicherheitskräfte versucht hätten, die Ausrüstung ihrer Reporter zu beschlagnahmen, damit das Team nicht von den Protesten berichten könnte. »Die Regierung ergreift Massnahmen, um zu verhindern, dass die Journalisten über das informieren, was vor sicht geht«, berichtete TeleSur-Sonderkorrespondent Reed Lindsay. Einige seiner Kollegen wurden vom Militär inhaftiert.

Mubarak hatte gestern in einem Interview mit dem US-Fernsehsender ABC Hoffnungen geweckt, er könne doch noch zurücktreten. Gegenüber den Journalisten sagte er, er sei »amtsmüde«, fürchte jedoch, dass Chaos ausbrechen würde, wenn er jetzt aufgebe.

»Klammheimliche« Unterstützung bekommt Mubarak aus Brüssel. Die Staats- und Regierungschefs der EU konnten sich bei ihrem Gipfeltreffen heute nicht darauf einigen, einen Rücktritt Mubaraks zu fordern. Insbesondere Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi zeigte sich als Mubarak-Freund. Dieser sei »weise« und solle im Amt bleiben, so der Regierungschef.


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