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Mubarak ist weg | Drucken |  E-Mail
Ägypten
Samstag, den 12. Februar 2011 um 18:06 Uhr

Freiheit für ÄgyptenJubel in Kairo, Alexandria, Suez, Jubel in ganz Ägypten. Die Ära Hosni Mubarak ist zu Ende. Am Freitag nachmittag, dem 18. Tag anhaltender Massenproteste, erklärte der Präsident endlich seinen Rücktritt. Der Tahrir-Platz, der Platz der Befreiung, in der Hauptstadt glich einem einzigen Fahnenmeer. »Freies Ägypten, freies Ägypten« rief die tanzende Menschenmenge nach Bekanntwerden einer gemeinsamen Stellungnahme von Vizepräsident Omar Suleiman und einem Armeesprecher. Mubarak hat demnach die Macht in die Hand des Militärs gelegt. Die präsidialen Vollmachten liegen nun beim Oberkommando der Streitkräfte. Zuvor hatte die Regierungspartei NDP Pressemeldungen bestätigt, wonach Mubarak Kairo verlassen und sich mit seiner Familie in den Badeort Scharm El-Scheich am Roten Meer zurückgezogen hat.

Seit dem 25. Januar hatten die Ägypter für den Rücktritt Mubaraks und seines Regimes demonstriert, mehr als 300 Menschen waren bei Angriffen von Polizei- und Sicherheitskräften getötet worden. Die Armeeführung kündigte am Freitag an, den Weg zu freien und fairen Wahlen zu sichern. Der seit Jahrzehnten geltende Ausnahmezustand solle aufgehoben werde, sobald es die Situation erlaube.

Millionen Menschen hatten erneut am Freitag, dem »Tag des Abschieds«, wie sie ihn nannten, auf dem Tahrir-Platz, vor dem staatlichen Fernsehen und dem Präsidentenpalast demonstriert. Als die Nachricht vom Rücktritt bekannt wurde, brachen die Menschen in Jubel aus. Trommeln und Musik waren zu hören, Autos fuhren hupend durch die Straßen.

Am Vorabend hatte Mubarak in einer vom staatlichen Fernsehen übertragenen Rede seinen Rücktritt erneut zurückgewiesen. Der Jugend dankte er für ihre Demonstrationen, er verstehe sie, denn er sei selbst einmal jung gewesen, sagte der Präsident. Den Familien der über 300 Getöteten der vergangenen Tage sprach er sein Mitgefühl aus und versprach eine Aufklärung der Angriffe, die von Polizeikräften in Uniform und Zivil verübt worden waren. Er habe Vizepräsident Omar Suleiman »autorisiert«, fünf strittige Artikel der Verfassung zu verändern und den Dialog mit der Opposition fortzusetzen. Erneut betonte Mubarak, er werde das Land nicht verlassen und »auf ägyptischem Boden sterben«.

»Hat er die letzten zwei Wochen Cartoons im Fernsehen gesehen, daß er nicht weiß, wie wütend wir alle sind und wie viele«, reagierte eine Studentin auf die Rede des Machthabers, die nicht nur in Ägypten, sondern weltweit auf Unverständnis stieß. Kurz nach der gesendeten Ansprache hatte Vizepräsident Omar Suleiman die Demonstranten aufgefordert, nach Hause zu gehen und wieder ihre Arbeit aufzunehmen. Unmittelbar daraufhin waren Tausende vom Tahrir-Platz zum Staatlichen Fernsehsender gezogen, den sie den ganzen Freitag belagerten. Weitere Tausende zogen zum Präsidentenpalast in Heliopolis, der vom Militär abgeriegelt worden war.

Agenturen meldeten am Freitag etwa eine Million Demonstranten landesweit, doch dürfte eine Zahl von mehreren Millionen sehr viel wahrscheinlicher sein. In Alexandria belagerten Zehntausende den dortigen Palast und wurden von Armee- und Marineangehörigen mit Wasser und Essen versorgt. Auch in der Textilindustrie-Stadt Mahalla, in Port Said und Mansoura, in Ismalia und im nördlichen Sinai gingen Tausende auf die Straßen und forderten ebenfalls den Rücktritt des Regimes. Unterstützt wurden sie wie an den Vortagen von streikenden Arbeitern. Aus Al-Arish wurden gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen rund 1000 Demonstranten und Polizei gemeldet, als erstere die örtliche Wache stürmten. Mindestens ein Mensch wurde bis jW-Redak­tionsschluß getötet.

Am späten Freitag nachmittag hatte der gerade neu ernannte Generalsekretär der Nationalen Demokratischen Partei (NDP), Hussam Badrawi, sowohl seinen Rücktritt als auch seinen Austritt aus der Partei erklärt.

Der Oppositionspolitiker und Friedensnobelpreisträger Mohamed ElBaradei erklärte laut dapd: »Das Land ist nach Jahrzehnten der Unterdrückung befreit.« ElBaradei sprach vom »großartigsten Tag meines Lebens«.

Als erster Regierungschef eines EU-Landes hatte am Freitag nachmittag der dänische Ministerpräsident Lars Lökke Rasmussen den ägyptischen Potentaten öffentlich zum Rücktritt aufgefordert und ihm vorgeworfen, mit seiner Rede im Staatsfernsehen einen »Riesenfehler« begangen zu haben.

Übernommen von der Tageszeitung junge Welt


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