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Nach der gewaltsamen Räumung eines Protestlagers in der von Marokko besetzten Westsahara, bei der bis zu zwölf Menschen ermordet wurden, sowie der anschliessenden blutigen Repression der Proteste in der Westsahara-Hauptstadt El Aaiún durch die Besatzungsmacht mehren sich international die Proteste. In Spanien gingen am Montagabend zahlreiche Menschen gegen die brutale Repression auf die Straße. Der Vertreter der Befreiungsfront Polisario in Spanien, Bucharaya Beyun, nannte den Angriff der Besatzungsmacht eine »Kriegserklärung« und eine »einseitige Aufkündigung des Waffenstillstands« durch Rabat. Auch der Botschafter der Westsahara in Kuba, Hamadi Sidahamed, warnte, sein Land sei »bereit zum Krieg wie zum Frieden«. Er persönlich bevorzuge den Krieg, wenn sich die Lage weiter zuspitze, so Sidahamed gegenüber der Nachrichtenagentur Prensa Latina. Die sahrauischen Demonstranten fordern von Marokko das Ende der systematischen Diskriminierung. So dürften nur Marokkaner Häuser, Geschäfte und Werkstätten besitzen, die diese dann mit hohen Mieten an die sahrauische Bevölkerung weitergeben. Auch im Ausbildungssektor und in der öffentlichen Verwaltung werden Sahrauis seit Jahrzehnten benachteiligt.
Telefonisch berichteten Menschenrechtsaktivisten von massiver staatlicher Repression und Angriffen marokkanischer Siedler auf Häuser sahrauischer Einwohner. Da Marokko ausländischen Journalisten seit Wochen die Einreise verweigert, ist es schwierig sich einen genauen Überblick über die Vorgänge zu verschaffen. Bereits Ende Oktober verboten marokkanische Behörden dem arabischen Nachrichtensender Al Dschasira jegliche Aktivitäten im Land, nachdem dieser auch über soziale Missstände und den Konflikt in der Westsahara berichtet hatte.
Die Menschenrechts- und Hilfsorganisation medico international fordert von Marokko die Einstellung aller Zensurmaßnahmen und freien Zugang für Medien und internationale Beobachter. Alle Menschenrechtsverletzungen und Repressalien gegen die sahrauische Bevölkerung müssten umgehend beendet werden.
Seit Anfang Oktober hatten rund 20.000 Sahrauis im Protestcamp Gdaim Izik ausgeharrt, um auf diese Weise gegen Menschenrechtsverletzungen durch die Besatzungstruppen zu protestieren. Die marokkanische Armee riegelte das Camp daraufhin ab und versuchte, Lebensmittellieferungen für die Eingeschlossenen zu verhindern. Dabei wurde am 24. Oktober ein 14jähriger Junge von marokkanischen Soldaten erschossen. Auch bei der Besetzung und Zerstörung des Camps durch die schwerbewaffneten Besatzungstruppen am Montag wurden offenbar zahlreiche Menschen getötet. Ein Sprecher der saharauischen Befreiungsbewegung Frente Polisario sprach gegenüber spanischen Medien von mindestens zwölf Todesopfern. Die marokkanischen Soldaten hatten offenbar rücksichtslos Tränengasgranaten auf die im Lager versammelten Menschen, darunter Kinder, Frauen und alte Menschen, gefeuert. Auch von Hubschraubern aus war in die Menge geschossen worden, meldete die amtliche Presseagentur der Westsahara, SPS. Die 18 Kilometer lange Verbindungsstraße zwischen dem Camp und der Stadt El Aaiún wurde von den Soldaten abgesperrt. In El Aaiún selbst, das als Hauptstadt der besetzten Westsahara gilt und aus der die meisten der in dem Protestcamp ausharrenden Menschen stammen, kam es nach Bekanntwerden des Angriffs zu spontanen Protesten. Die marokkanische Armee ging auch gegen diese Demonstrationen gewaltsam vor und tötete dabei Augenzeugenberichten zufolge einen Menschen. »Das ist Massenmord«, sagte der Menschenrechtsaktivist Ahmed Moussawi gegenüber SPS. »Man hört Schüsse und Zusammenstöße zwischen den Besatzungstruppen und hilflosen Zivilisten im Osten der Stadt.«
Die Westsahara an der nordafrikanischen Atlantikküste war bis 1975 spanische Kolonie. Nachdem Abzug Spaniens hofften die Sahrauis auf die Unabhängigkeit ihres Landes. Doch während die Frente Polisario die Demokratische Arabische Republik Sahara ausrief, besetzten marokkanische Soldaten das Land und annektierten es. Mehr als 100.000 Menschen flohen nach Algerien und leben dort bis heute in Flüchtlingslagern. Die sahrauische Unabhängigkeitsbewegung Polisario stimmte 1991 einem von den Vereinten Nationen vermittelten Waffenstillstand mit Marokko zu. Im Gegenzug wurde die UN-Mission MINURSO beauftragt ein Referendum über die Unabhängigkeit der Westsahara durchzuführen. Dieses wird seitdem von Marokko verzögert. Insbesondere die EU profitiert von den reichen Phosphat- und Fischvorkommen der Westsahara und schätzt Marokko als strategischen Partner bei der Abwehr von afrikanischen Flüchtlingen.
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