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Nazi-Überfall auf linkes Sommercamp - 13-jährige lebensgefährlich verletzt | Drucken |  E-Mail
Antifa
Mittwoch, den 23. Juli 2008 um 17:16 Uhr
Am frühen Morgen des vergangenen Sonntag, 20. Juli, verübten rechtsextreme Schläger einen Überfall auf das Sommercamp der Jugendorganisation ['solid] am Campingplatz Neuenhainer See im Schwalm-Eder-Kreis (Hessen). Nachdem zwei vermummte Personen über den Zaun auf das Gelände eingedrungen waren, traten sie von außen auf das nächstgelegene Zelt ein, öffneten es und schlugen auf die noch Schlafenden mit massiven Gegenständen ein. Eine 13-jährige Campteilnehmerin musste mit lebensgefährlichen Verletzungen ins Krankenhaus eingeliefert werden, ist aber mittlerweile glücklicherweise ausser Lebensgefahr. Ihr Stiefbruder, der mit ihr das Zelt geteilt hatte, wurde am Kopf verletzt. 

Auf dem Parkplatz des Campingplatzes demolierten währenddessen drei weitere Personen dort abgestellte Fahrzeuge. Dabei gingen sie willkürlich vor. Zudem wurde ein gegen Rechtsextremismus gerichtetes Banner abgerissen und entwendet. Bereits im Vorfeld kam es zu Drohungen der faschistischen “Freie Kräfte Schwalm“ gegenüber TeilnehmerInnen des Sommercamps.

Seit Donnerstag vergangener Woche diskutierten und feierten rund 50 junge Menschen aus ganz Hessen friedlich auf dem linken Sommercamp. Unter anderem nahmen sie am Samstag in Treysa an der erfolgreichen Demonstration gegen Rassismus teil.

In einer gemeinsamen Erklärung haben am Montag die Jugendverbände DIDF-Jugend, Linksjugend.['solid], dielinke.sds und SDAJ gegen den Nazi-Terror protestiert. In der Erklärung heisst es: "Wir sind schockiert und zutiefst betroffen von der brutalen Gewalt gegen die Campteilnehmer. Ein Angriff auf wehrlose, schlafende Jugendliche zeigt mit welcher Skrupellosigkeit Neofaschisten Andersdenkende verfolgen. Unsere Solidarität gilt den Verletzten!
Wir fordern alle BürgerInnen Hessens auf deutlich und vernehmbar gegen Neofaschisten aufzutreten und ihnen jederzeit entschieden entgegenzutreten. Roland Koch sollte sich fragen, ob seine Kampagne gegen Jugendkriminalität an der richtigen Stelle ansetzt. Mit seiner Hetzkampagne gegen Jugendliche mit Migrationshintergrund hat er von seinen eigenen Fehlern abgelenkt. Es ist an der Zeit aktiv gegen den vorhandenen Neofaschismus vorzugehen anstatt Jugendliche mit Migrationshintergrund zu diffamieren. Am besten wird das funktionieren, wenn Jugendliche egal welcher Nationalität gemeinsam für bessere Bildungs- und Ausbildungschancen kämpfen. Nur dann,
wird den scheinbar antikapitalistischen Forderungen von Neofaschisten um und in der NPD der Nährboden entzogen werden!
Wie viele schwerverletzte Menschen muss es noch geben bis die NPD verboten wird??? Oder muss es erst weitere Tote geben?!!! Faschismus ist keine Meinung – Faschismus ist Verbrechen! Für ein NPD-Verbot jetzt!!!"

Wie die Staatsanwaltschaft Kassel und die Polizeidirektion Schwalm-Eder mitteilen, konnte ein als Haupttäter bezeichneter 19-jähriger noch am Sonntag verhaftet werden. Er wurde dem Haftrichter vorgeführt und sitzt nun wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung in Untersuchungshaft. In der Pressemitteilung der Polizei heisst es: "Nach intensiven Ermittlungen und Fahndungsmaßnahmen konnte im Laufe des gestrigen Sonntags der 19-jährige Fahrzeugführer sowie seine Mitfahrer ermittelt und vier Personen festgenommen werden. Bei der Festnahme und Wohnungsdurchsuchung eines 23-Jährigen aus Schwalmstadt wurde das entwendete Transparent gefunden. Drei der Tatverdächtigen sind der rechten Szene zugehörig, sie waren bereits zuvor auch bei einer Demonstration der Jugendgruppierung 'solid'  in Schwalmstadt-Treysa aufgefallen, wobei der 19-jährige wohnsitzlose Haupttäter kurzzeitig festgenommen wurde."

Quellen: solid Hessen, SDAJ, Presseportal / RedGlobe

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