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Am Dienstag wurde mit einer Pressekonferenz im finnischen Parlament die »Stoppt Atomkraft! Ostsee-Infotour 2010« präsentiert. Während die Atomindustrie und Regierungen gefährliche Atomprojekte rund um die Ostsee durchzusetzen versuchen, findet eine zweimonatige Infotour von KritikerInnen und AktivistInnen über eine Strecke von 6.000 Kilometern mit Stationen in 15 Orten statt, um den atomaren Alptraum zu stoppen. Zusammen mit lokalen Bewegungen werden sie Aktionen machen, in Kontakt mit anderen AktivistInnen treten und über die radioaktive Verschmutzung der Ostsee informieren.
Die Ostsee ist das radioaktivste Meer der Welt - dies ist das Ergebnis der Auswertung von Daten der »Helsinki-Kommission«, einem Gremium von WissenschaftlerInnen aus den Ländern rund um die Ostsee. Hauptverschmutzer sind der Tschernobyl-Unfall, die oberirdischen Atombombentests der Vergangenheit, die Freisetzungen der Atomanlagen in Sellafield (UK) und die Atomkraftwerke rund um die Ostsee. Radioaktive Partikel, die erst einmal den Weg in dieses Binnenmeer gefunden haben, konzentrieren sich hier, ohne sich noch wesentlich zu verdünnen, da es kaum Wasseraustausch mit dem Ozean gibt. Zusätzliche Gefahren für die Ostsee stellen die Atomtransporte von Uran, Müll und Brennelementen quer über das Meer dar. Die angekündigten Endlager unterhalb der Ostsee in Finnland und Schweden sowie die neuen Reaktorvorhaben in Russland, Belarus, Polen, Schweden und Finnland als auch die Uranabbau-Pläne in den beiden letztgenannten Ländern würden die radioaktive Belastung der ganzen Region weiter erhöhen.
Besorgte AktivistInnen und Organisationen touren diesen Sommer rund um das Meer, um an den Orten atomarer Gefahren für Menschen, Umwelt und zukünftige Generationen zu erscheinen. Sie werden Druck auf die EntscheidungsträgerInnen in Finnland ausüben, die am 1. Juli über zusätzliche Atomkraftwerke abstimmen wollen. Sie werden in Schweden einen Monat vor den nächsten Parlamentswahlen auf die riskanten Pläne hinweisen, neue und noch gefährlichere Atomkraftwerke zu bauen. Sie werden die lokalen Gruppen in Greifswald unterstützen, die den Widerstand gegen die bald erwarteten Transporte von hochradioaktivem Atommüll zum Zwischenlager in Lubmin bei Greifswald nahe der Ostsee organisieren. Sie werden zusammen mit polnischen AktivistInnen am Standort des angekündigten ersten polnischen Atomkraftwerks protestieren. Sie werden russische AktivistInnen treffen und gemeinsam über die Auswirkungen der neuen Reaktoren des AKW Leningrad in St. Petersburg aufklären. Sie werden die Anti-Atom-Bewegung in Belarus, die massiver Repression ausgesetzt ist, in ihrem Kampf gegen Atomkraft unterstützen. Und schliesslich kommt die Infotour Mitte August zurück nach Finnland, um der Atomindustrie und der Regierung des Landes der sogenannten »Renaissance der Atomenergie« zu zeigen, dass sie die Anti-Atom-Proteste nicht los werden und dass die internationale Anti-Atom-Bewegung die Aktivitäten der Menschen in Finnland gegen die atomare Übernahme ihrer Region unterstützen wird.
In Lubmin nahe Greifswald befindet sich das ZLN, Zwischenlager Nord, in dem hochradioaktiver Atommüll abgelagert wird. Noch im Herbst dieses Jahres werden Castortransporte dieser hochradioaktiven Abfälle erwartet - daher wird die Ostsee-Infotour einen Zwischenstopp in Greifswald einlegen, um den lokalen Widerstand gegen diese atomaren Transporte zu unterstützen. Die TeilnehmerInnen der Infotour werden sich auch mit Anti-Atom-AktivistInnen aus dem Bundesgebiet treffen, um Erfahrungen auszutauschen und zu helfen, über die Risiken der Atomkraft und speziell über die Gefahren in Verbindung mit diesen Atomtransporten aufzuklären.
Die Infotour laedt alle Interessierten ein, an den Veranstaltungen und Aktivitäten rund um die Ostsee teilzunehmen. Informationen zu Terminen, Themen und Veranstaltungsorten bietet die Webseite http://baltic-tour.nuclear-heritage.net.
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