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Die Unterstützung von Politikern der Linkspartei für die Proteste gegen den Atommülltransport ins Wendland in diesem Herbst hat ein hysterisches Medienecho hervorgerufen. Die Onlineausgabe der Tageszeitung »Die Welt« kommentiert heute beispielsweise »Linke ruft zu Straftaten bei Castor-Transport auf«. Die Aufregung dreht sich um eine neue Aktionsform, zu der die Kampagne »Castor schottern« aufruft. Dabei sollen die Schottersteine aus dem Gleisbett der Eisenbahngleise entfernt werden, um so den Castor-Transport am weiterfahren zu hindern. »Wir wählen für die Aktion einen Schienenabschnitt, an dem an diesem Tag kein Zugverkehr außer dem Castortransport stattfindet«, tritt die Initiative Befürchtungen entgegen, durch ihre Aktivitäten könnte der normale Personen- oder Güterverkehr gefährdet werden.
Schon kurz nach dem Start der Mobilisierung konnte die Initiative in einer Pressemitteilung stolz auf die Unterstützung zahlreicher Prominenter verweisen, so der Bundestagsabgeordneten der Linkspartei Halina Wawzyniak und Sahra Wagenknecht. Doch kaum begann es im Zeitungswald zu rascheln, schon begannen führende »Linke« zurückzurudern. Der Linkspartei-Vorsitzende Klaus Ernst sprach sich öffentlich gegen die Aktion aus: »Ich halte es für legitim, dass sich die Gegner der Atompolitik der Bundesregierung überlegen, mit welchen Mitteln sie sich wehren können. Ich halte aber nichts davon, es auf Auseinandersetzungen mit der Polizei oder technische Zwischenfälle an Gleisen sogar direkt anzulegen.«
Wie in seligen Zeiten des demokratischen Zentralismus waren die Worte des großen Vorsitzenden für einige Repräsentanten der Partei ein Befehl. Prompt verschwanden Halina Wawzyniak und andere bekannte Aktivisten von der Unterstützerliste. Andere sträuben sich bislang gegen einen Rückzieher und halten an ihrer Unterstützung fest, so Wawzyniaks FraktionskollegInnen Andrej Hunko, Sahra Wagenknecht, Inge Höger, Jan van Aken, Heidrun Dittrich, Matthias W. Birkwald, Dr. Diether Dehm, Heike Hänsel und Sevim Dagdelen. Auch zahlreiche Landtagsabgeordnete der Linkspartei halten der auf der Homepage der Initiative veröffentlichten Liste zufolge an ihrer Unterstützung für »Castro schottern« fest.
Die die fraktionslose niedersächsische Landtagsabgeordnete Christel Wegner (DKP) ruft dazu auf, an der Kampagne teilzunehmen, um den geplanten Castortransport nach Gorleben zu stoppen. »Wenn die CDU/FDP heimliche Verträge mit der Atomlobby unter Umgehung der Parlamente abschließt, um so und mit Enteignungen ihre Atompolitik durchzupeitschen, dann muss der Widerstand eben auch auf der Straße und auf der Schiene ausgetragen werden«, so die Parlamentarierin, die auch die Atompolitik der Bundesregierung kritisiert. Für diese seien eher die Profite der Konzerne als die Sicherheit der Menschen sowie die Einhaltung demokratischer Spielregeln wichtiger. Hinzu komme, dass der Salzstock in Gorleben aus geologischen Gründen als Atomendlager untauglich sei. »Da bei CDU/FDP weder Sachverstand noch politische Vernunft walten, müssen wir den Protest an anderer Stelle deutlich machen«, so Wegner, die aus gesundheitlichen Gründen selbst nicht direkt an der Aktion teilnehmen kann.
Homepage der Initiative: www.castor-schottern.org
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