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IPPNW: Auch neue AKW abschalten! | Drucken |  E-Mail
Umwelt (GreenGlobe)
Donnerstag, den 17. März 2011 um 13:55 Uhr

Die atomkritische Ärzteorganisation IPPNW kritisiert das Vorhaben, die zuletzt in Deutschland errichteten deutschen Atomkraftwerke weiterlaufen zu lassen, ohne sich ernsthaft mit den sicherheitstechnischen Mängeln dieser Anlagen auseinanderzusetzen. »So einfach darf man es sich nicht machen«, meint IPPNW-Atomexperte Henrik Paulitz. Denn die zuletzt errichteten sogenannten Konvoianlagen Neckarwestheim-2, Emsland und Isar-2 zeichnen sich durch bemerkenswerte Schwachstellen in der gesamten Ablaufkette eines Atomunfalls aus. Die Gesellschaft für Reaktorsicherheit (GRS), wichtigste Gutachterorganisation der Bundesatomaufsicht, bemängelt laut IPPNW gravierende Sicherheitslücken bei der Störfallbeherrschung, bei den Notfallmaßnahmen als auch hinsichtlich der Kernschmelzfestigkeit.

Unter anderem bei der Beherrschung »Kleiner Lecks« sowie des »Notstromfalls« sieht die GRS gravierende Sicherheitsdefizite. Bezüglich Kleiner Lecks monieren die Regierungsgutachter eine zu große Leistung des Reaktors, konstruktive Mängel des Notkühlsystems, eine zu geringe Kapazität der Frischdampf-Umleitstation und zu wenige sekundärseitige Einspeisesysteme. Hinzu kommen beispielsweise eine zu geringe Zahl an Ventilen bzw. Ventile mit zu geringer Abblasekapazität. Obendrein gibt es nur einen betrieblichen Strang zur Kühlung des Brennelement-Lagerbeckens.

Beim baden-württembergischen Atommeiler Neckarwestheim-2 komme die Erdbebenproblematik hinzu. Aufgrund des erdbebengefährdeten Standorts könne es leicht zur Unfallauslösung wie auch gleichzeitig zur Zerstörung der dann erforderlichen Sicherheitssysteme kommen.

Als »regelrecht skandalös« bewertet es die IPPNW, dass laut GRS ausgerechnet auch noch die nachgerüsteten Notfallmaßnahmen u.a. beim Kleinen Leck (Kühlmittelverluststörfall) nicht funktionieren. Hinsichtlich der ultimativen Notfallmaßnahme »Primärseitige Druckentlastung und Bespeisung (PDE)« stelle die GRS fest: »Beim Kühlmittelverluststörfall ist dann die Zeitspanne zwischen dem Anstehen der Kriterien und dem Zeitpunkt, bis zu dem PDE zur Verhinderung des Kernschadenszustands wirksam sein muss, so kurz, dass dieses Ziel kaum erreichbar ist.« So sei also ausgerechnet in den »neuesten« deutschen Atomkraftwerken bei Leck-Störfällen das Risiko einer Kernschmelze besonders hoch.

»Kommt es zur Kernschmelze, dann zeichnen sich die Konvoianlagen Neckarwestheim-2, Emsland und Isar-2 dadurch aus, dass ihr Containment laut GRS aus Werkstoffen mit geringeren Festigkeiten gefertigt wurde. Ohnehin weiß man heute, dass Containments nicht aus Stahl, sondern aus Stahlbeton und zudem mit größerem Volumen gefertigt werden müssten. Nicht umsonst schneiden die deutschen Atomkraftwerke im internationalen Vergleich der OECD von 1997 hinsichtlich der Kernschmelzfestigkeit katastrophal schlecht ab«, so die IPPNW. »Die fehlende Kernschmelzfestigkeit in Verbindung mit der Unwirksamkeit der Notfallmaßnahmen und der Defizite bei der Störfallbeherrschung muss nach Auffassung der IPPNW dazu führen, auch die neueren deutschen Atomkraftwerke endgültig stillzulegen.«


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