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»Stufenweiser Ausstieg« hat eine gewaltige Schieflage | Drucken |  E-Mail
Umwelt (GreenGlobe)
Samstag, den 04. Juni 2011 um 11:22 Uhr

Atomausstieg jetzt!Die Atomkraftgegner sind auch nach den jüngsten Zugeständnissen der Bundesregierung mit dem Ausstiegsszenario unzufrieden. Zu den Ergebnissen der Atom-Beratungen zwischen Bund und Ländern erklärt Jochen Stay, Sprecher der Anti-Atom-Organisation .ausgestrahlt: »Merkels Treppe zum Atomausstieg hat eine gewaltige Schieflage nach hinten. Der Stufenplan bezieht sich nur auf drei von neun Kraftwerken. Die nächste Stilllegung ist erst 2015 geplant. Noch immer sollen sechs AKW mehr als zehn Jahre weiterlaufen, obwohl die Reaktorsicherheitskommission festgestellt hat, dass kein Reaktor gegen Flugzeugabstürze gesichert ist und nirgends die Kernschmelze ausgeschlossen werden kann.« Zudem würden im völlig ungeeigneten Salzstock von Gorleben weiter Milliarden verbaut und Tatsachen geschaffen werden.

»Für uns Atomkraftgegner gibt es noch eine Menge zu tun, bis die nukleare Bedrohung der Vergangenheit angehört. Dass sich die Regierung nach Fukushima aber überhaupt bewegt hat und Atomkraftwerke stillgelegt werden, ist nicht das Verdienst Angela Merkels, sondern wurde von Hunderttausenden erkämpft, die immer wieder auf die Straße gegangen sind«, unterstreicht Stay.

Auch die Mobilisierung für eine Blockade des AKW Brokdorf in der kommenden Woche soll nicht gestoppt werden. Christoph Kleine, Pressesprecher der Kampagne »BlockBrokdorf« sieht in den Vereinbarungen dennoch einen Erfolg: »Schritt für Schritt muß die Bundesregierung zurückweichen. Selbst innerhalb der CDU-Ministerpräsidentenriege war das Trauerspiel mit den unbestimmten Abschaltdaten nicht durchsetzbar. Der Druck der Anti-AKW-Bewegung und das politische Überlebensinteresse der Landespolitiker_innen zeigt Wirkung.«

Seine Kollegin Anna-Lena Zinzek kündigt an: »Wir werden dennoch nicht lockerlassen. Noch ist der Ausstieg nicht unumkehrbar und jeder Tag Laufzeit ist ein potentieller GAU-Tag. Die Atommeiler können und müssen sofort vom Netz!« Und Mischa Aschmoneit fügt hinzu: »Ab nächstem Samstag ist es soweit – der Welle der Demo-Proteste folgt der massenhafte Blockade-Widerstand. Wir erwarten tausende Aktivist_innen auf den Straßen der Wilstermarsch. Das AKW Gorleben wird dichtgemacht, das Wiederanlaufen gestoppt.« Am morgigen Sonntag, 5. Juni, soll vor dem Vattenfall-Kundenzentrum in der Hamburger Innenstadt trainiert und probegesessen werden. Die öffentliche Aktion soll um 11 Uhr beginnen.

In Gronau hat der Trägerkreis bei einem Auswertungstreffen die Aktionen der letzten Wochen und Monate positiv bewertet: »Mit zahlreichen Montagsmahnwachen und besonders mit den 15.000 Menschen beim Gronauer Ostermarsch ist es gelungen, vielfältig auf die Gefahren der Gronauer Urananreicherungsanlage hinzuweisen.« Die NRW-Landesregierung könne und müsse den Betrieb der Urananreicherungsanlage (UAA) in Gronau mit sofortiger Wirkung stoppen, bekräftigte das Bündnis »Gronauer Ostermarsch«. Montagsmahnwachen sollen in Gronau zunächst nicht weiter durchgeführt. Dafür konzentrieren sich die aktiven Atomkraftgegnerinnen und Atomkraftgegner auf die Mobilisierung zu einer Kundgebung, die am 3. Juli um 13.00 Uhr direkt an der Gronauer Urananreicherungsanlage stattfinden wird.

Inhaltlich wird sich die lokale Anti-Atomkraft-Bewegung in Gronau demnächst noch stärker als bisher mit dem Atommüll-Problem an der Urananreicherungsanlage befassen. Nach Hinweisen aus Rußland über rissige Urancontainer im russischen Angarsk soll verstärkt die bereits stattfindende Uranlagerung unter freiem Himmel in Gronau, sowie der drohende Bau eines Uranmüll-Hallenlagers neben der Urananreicherungsanlage thematisiert werden: »Nur die sofortige Stilllegung der Gronauer Urananreicherungsanlage kann dazu beitragen, dass sich das Atommüll-Problem vor Ort nicht weiter verschärft.«

Bundesweit soll mit einem Boykott der Atomkonzerne auf deren angekündigte Klagen gegen den Ausstieg reagiert werden. »Eon klagt gegen die Brennelementesteuer. Die anderen großen Stromkonzerne wollen nachziehen. Doch Unternehmen, die ihr Geschäftsmodell auch nach Fukushima darin sehen, die Bevölkerung  unvorstellbaren Risiken auszusetzen, handeln nicht für das Gemeinwohl.  Die Bundesregierung will diesen Unternehmen trotzdem für neun Atomkraftwerke noch mehr als zehn Jahre Laufzeit garantieren. Deshalb  rufen wir dazu auf, keinen Strom mehr bei Eon, RWE und Co - und ihren  Tochtergesellschaften - zu kaufen, sondern zu echten Ökostromanbietern  zu wechseln«, erklärte Jochen Stay. »Die einzige Sprache, die die Konzerne verstehen, ist die des Geldes. Also ist es an der Zeit, dass die Verbraucherinnen und Verbraucher die Macht des Geldbeutels einsetzen und Atomstrom boykottieren.«

Der Wechsel sei kinderleicht. »Erfreulicherweise ist Ökostrom in weiten Regionen Deutschlands auch gar nicht mehr teurer als die Tarife der Stromkonzerne«, wirbt Stay. Weitere Informationen gibt es auf einer gemeinsamen Kampagnenseite der Umweltverbände und Anti-Atom-Initiativen unter www.atomausstieg-selber-machen.de


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