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Mehr als 23.000 Menschen haben sich heute an der Großdemonstration gegen den Castortransport aus Frankreich nach Gorleben beteiligt. „Wieder einmal hat sich die Anti-Atom-Bewegung stärker gezeigt als erwartet. Das Aus für acht AKW im Sommer hat den Konflikt um die Atomkraft und den Umgang mit dem Atommüll noch lange nicht beendet - auch wenn manche Politiker das gehofft haben mögen“, freut sich Jochen Stay, Sprecher der Anti-Atom-Organisation .ausgestrahlt. „Wir lassen uns nicht mit Lügengeschichten über einen angeblichen ‚Neustart‘ bei der Endlagersuche abspeisen.“
73 Millionen Euro habe die Bundesregierung für den weiteren Ausbau des maroden Salzstocks in Gorleben zum Endlager eingeplant, nur drei Millionen Euro dagegen für die Suche nach Alternativen zu Gorleben. Von einer 'weißen Landkarte' bei der Endlagersuche könne also keine Rede sein. Der Salzstock Gorleben sei völlig ungeeignet zur Lagerung von Atommüll. Das sei seit Jahrzehnten klar. „Wir werden nicht lockerlassen, bis dieses Katastrophenprojekt endgültig gestoppt wird,“ kündigt Stay an.
Schon heute sei klar: Der Protest gegen den Castor und die weitere Atommüllproduktion ist so stark wie schon lange nicht mehr. 23.000 Demonstrierende - das habe es, vom Ausnahmejahr 2010 einmal abgesehen, noch bei keiner Castor-Auftaktdemonstration gegeben. Und Tausende Atomkraftgegner werden sich in den kommenden Tagen dem Castor-Transport gezielt in den Weg setzen.
Die Anti-Atom-Bewegung habe im vergangenen Jahr gesehen, welche Erfolge sich mit massiven Protesten erreichen lassen. „Und wir sind trotz des zurückliegenden Protestmarathons noch lange nicht außer Puste. Das sollten sich insbesondere all diejenigen merken, die weiter darauf setzen, den maroden Salzstock in Gorleben zum Endlager zu machen.“
Zur Kundgebung unter dem Motto “Gorleben ist überall” in Dannenberg/Elbe hatte ein Trägerkreis von Umweltinitiativen und Anti-Atom-Initiativen aufgerufen. Großen Beifall erhielten auf der Kundgebung die internationalen Gäste aus Frankreich vom Netzwerk “Sortir du nucléaire” für ihren solidarischen Beitrag zum Castor-Stopp und eine japanische Delegation, die über das Leid nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima sprachen. Über die Umweltzerstörung und die Missachtung von Menschenrechten durch den Uranabbau berichtete Anthony B. Lyamunda aus Tanzania.
Das große Ziel der Akteure ist ein Zurück auf Null bei der Endlagersuche und eine breite gesellschaftliche Atommülldebatte. Den Vorstoß des Bundesumweltministers Norbert Röttgen (CDU), auch andere Standorte prüfen zu lassen, gleichzeitig aber an Gorleben festzuhalten, hält das Bündnis für absurd. Angesichts der Fakten, die gegen Gorleben sprechen, müsse dort ein Schlussstrich gezogen werden, um einer nationalen Atommülldebatte überhaupt eine Chance zu geben. “Alles andere steht unter dem Verdacht, es solle nur ein wenig heiße Luft in der Gorleben-Auseinandersetzung abgelassen werden”, so der Sprecher der Bürgerinitiative Umweltschutz (BI), Wolfgang Ehmke.
Besonders groß ist die Empörung darüber, dass mit diesem Castor-Transport aus La Hague im Zwischenlager Gorleben die Grenzwerte überschritten werden. Gegen den Betreiber des Gorlebener Zwischenlagers läuft jetzt ein formelles Ermittlungsverfahren wegen unerlaubter Freisetzung ionisierender Strahlen. Die Gesellschaft für Nuklear-Service (GNS) gilt in diesem Verfahren jetzt offiziell als Beschuldigter, bestätigte Rechtsanwalt Martin Lemke. Lemke ist Anwalt der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg, die die GNS wegen der Ungereimtheiten über die Strahlenbelastung am Zwischenlager Gorleben bei der Staatsanwaltschaft Lüneburg angezeigt hat.
Angesichts der breiten Massenproteste im Wendland fordert auch der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU), dass die Bundesregierung endlich alle Atomtransporte verbieten und das Endlagerprojekt Gorleben als untauglich und gescheitert erklären soll. Der BBU fordert von der Bundesregierung zudem grundsätzlich die sofortige Stilllegung aller Atomanlagen. „Es gibt weit und breit kein Atommüll-Endlager. Jegliche Atommüllproduktion muss beendet werden“, so der BBU.
Nachdem der Castor-Atommüll-Transport aus Frankreich Niedersachsen erreicht hat, ruft der BBU gemeinsam mit vielen Initiativen und Verbänden weiterhin zu Protesten gegen den strahlenden Sonderzug auf. Vor dem Hintergrund der Sturmwarnungen befürchtet der BBU zudem, dass der Castortransport schnellstmöglich Richtung Gorleben durchgepeitscht werden soll. Der Verband fordert deshalb die Polizei auf, das Demonstrationsrecht umfassend zu achten.
Aus einem Waldstück bei Neu-Eichenberg in Hessen haben sich am Samstagmorgen (26.11.2011) etwa 100 meist Waldläufer auf die Schienen der Castorstrecke begeben. Dort spannten sie gelbes Flatterband und spielten mit der Polizei Katz und Maus. Zwar konnten die Beamen die Gleise schnell wieder räumen, bis die versprengten Waldläufer unter Kontrolle waren, verging über eine Stunde. Die Demonstranten wurden mit Diensthunden in Schach gehalten. In einem der Begleitwagons hielten sich ausschließlich vermummte Bundespolizisten auf, wahrscheinlich Mitglieder der Eliteeinheit GSG 9.
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