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Die von den bürgerlichen Medien noch immer als »Frauenrechtlerin« oder »Feministin« bezeichnete Alice Schwarzer wettert gegen den Internationalen Frauentag. Der Frauentag am 8. März sei eine »sozialistische Erfindung«, die auf einen Streik von Textilarbeiterinnen zurückgehe, schrebt sie in einem Gastbeitrag für die »Frankfurter Rundschau«. Die Frauenbewegung sei aber Anfang der 1970er Jahre im Westen »nicht zuletzt aus Protest gegen die machohafte Linke« entstanden. Das sei eine Linke gewesen, »die zwar noch die letzten bolivianischen Bauern befreien wollte, die eigenen Frauen und Freundinnen aber weiter Kaffee kochen, Flugblätter tippen und Kinder versorgen ließ«, poltert Schwarzer, die eine Gleichberechtigung von Frauen zuletzt dadurch verwirklichen wollte, dass Frauen wie ihre männlichen Kollegen endlich auf den Schlachtfeldern der Welt mitmorden dürfen. »Unter diesen Vorzeichen ist die Übernahme des sozialistischen Muttertags als 'unser Frauentag' für Feministinnen, gelinde gesagt, der reinste Hohn,« so die Dame.
Im Gegensatz zu dieser wohlsituierten Persiflage auf eine Feministin kritisiert die stellvertretende DGB-Vorsitzende Ingrid Sehrbrock die nach wie vor bestehenden dramatischen Lohnunterschieden zwischen Männern und Frauen in Deutschland. »Die Bundesregierung hat es bislang bei bloßen Appellen und unverbindlichen Vereinbarungen mit den Arbeitgebern belassen«, kritisierte sie. »Wir brauchen endlich einen klaren gesetzlichen Rahmen, wie gleicher Lohn für Frau und Mann in absehbarer Zeit realisiert werden kann.«
»Wie peinlich, zum Frauentag einen blauen Brief aus Brüssel zu bekommen«, sagte Sehrbrock. Die neue EU-Kommissarin für Justiz und Grundrechte, Viviane Reding, hatte Ende vergangener Woche insbesondere die Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen in Deutschland kritisiert. Sie hatte Deutschland aufgefordert, »mit gutem Beispiel voranzugehen, anstatt Nachzügler zu sein.« Gleicher Lohn für gleiche Arbeit sei eines der ältesten Rechte und Werte. Reding will nach eigenen Worten die geschlechtsspezifischen Lohnunterschiede in der EU bis zum Ende ihrer Amtszeit deutlich verringern.
Bei der Zweiten Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz am 27. August 1910 in Kopenhagen schlug die deutsche Sozialistin und spätere Mitbegründerin der KPD, Clara Zetkin, die Einführung eines Internationalen Frauentages vor. Am 19. März 1911 wurde dann in Dänemark, Deutschland, Österreich-Ungarn und der Schweiz der erste Frauentag gefeiert. Mit der Wahl des Datums sollte der revolutionäre Charakter des Frauentags hervorgehoben werden, denn der Vortag, der 18. März, war der Gedenktag für die Gefallenen während der Märzrevolution 1848. Außerdem hatte auch die Pariser Commune 1871 im März begonnen.
Am 8. März 1917 streikten in Sankt Petersburg Arbeiter-, Soldaten- und Bauernfrauen der armen Stadtviertel und lösten damit die Februarrevolution aus. Zur Ehre der Rolle der Frauen in der Revolution wurde auf der Zweiten Internationalen Konferenz kommunistischer Frauen 1921 in Moskau auf Vorschlag der bulgarischen Delegation der 8. März als internationaler Gedenktag eingeführt.
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