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Evo Morales in der UNO: Ohne Überwindung des Kapitalismus keine Rettung der Erde | Drucken |  E-Mail
Bolivien
Dienstag, den 22. April 2008 um 13:42 Uhr
Boliviens Präsident Evo Morales hat gestern als Eröffnungsredner in New York die neue Sitzungsperiode des Ständigen UNO-Forums der Indigenen Völker eröffnet. In einer leidenschaftlichen Rede, die mehrfach von Beifall unterbrochen wurde, zählte der Staatschef "zehn Forderungen" auf, um "den Planeten, das Leben und die Menschheit" zu retten. Als wichtigsten Verursacher der Kriege und anderer Übel des Planeten benannte Morales das kapitalistische System und unterstrich: "Es kann nicht sein, dass der Kapitalismus die Mutter Erde in ein Handelsgut verwandelt. Wenn wir mit dem kapitalistischen System nicht Schluß machen, wird es unmöglich sein, die Erde zu retten!"
Die Länder des Nordens sollten ihre Schulden gegenüber der Umwelt bezahlen, anstatt von den armen Ländern die Zahlung der Auslandsschulden zu verlangen. Die Industrienationen seien die Hauptverursacher der weltweiten Umweltverschmutzung, betonte Morales.

"An den Kriegen verdienen nicht die Völker, sondern die Imperien. An den Kriegen verdienen nicht die Nationen, sondern die transnationalen Konzernen", kritisierte der bolivianische Präsident die imperialistische Kriegspolitik. "Wir wollen wirkliche Demokratien, die nicht dem Imperium unterworfen sind", forderte er und gratulierte dem Volk von Paraguay zur Wahl von Fernando Lugo zum neuen Präsidenten.

Mit Blick auf die weltweit massiv angestiegenen Lebensmittelpreise kritisierte Morales scharf die Förderung von sogenanntem Biokraftstoff: "Ich kann nicht verstehen, wie man fruchtbare Böden nutzen kann, um Kraftstoff für Luxusautos zu produzieren! Sogar IWF und Weltbank haben vor dem Anstieg der Lebensmittelpreise als Folge der Produktion von Biokraftstoff gewarnt. Das ist vielleicht das erste Mal in meinem Leben, dass ich mit diesen Organisationen einer Meinung bin", betonte Morales unter dem Beifall der Delegierten.

Evo forderte auch eine Demokratisierung der Vereinten Nationen. Es könne nicht sein, dass es Länder erster und zweiter Klasse gäbe und einige mächtige Länder ihr Veto gegen die Mehrheit einsetzen können, kritisierte der Präsident mit Blick auf den Sicherheitsrat.

Das Ständige Forum der Indigenen Völker ist ein Organismus innerhalb der Vereinten Nationen, in dem sich die Vertreter der indigenen Völker des Planeten treffen, um Politik zum Schutz ihrer Völker und ihrer Lebensweise, der Umwelt, Kultur und Weltsicht zu beraten. Die gegenwärtige Sitzungsperiode begann gestern und dauert noch bis zum 2. Mai.
 

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