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Am frühen Sonntag morgen (Ortszeit) hat die brasilianische Militärpolizei mit 2000 Beamten gewaltsam die Landbesetzung von Pinheirinho (RedGlobe berichtete hier) beendet. Dabei setzten die Sicherheitskräfte Bomben, Gewehre und Pistole gegen die Bewohner der Siedlung ein. Es gab mindestens zwei Todesopfer und zahlreiche Verletzte. Der lateinamerikanische Fernsehsender TeleSur spricht sogar von drei Getöteten, darunter einem kleinen Kind. 1200 Familien wurden aus ihren Heimen vertrieben und sind nun wieder obdachlos. Über Sao Jose dos Campos wurde der Ausnahmezustand verhängt.
Der Oberbürgermeister von Sao Jose dos Campos, Eduardo Cury, hat ein Internierungslager für die vertriebenen Familien errichten lassen, wo diese zunächst festgehalten werden sollen. Auch dieses Lager wurde wenige Stunden später von der Militärpolizei gestürmt und nach Widerstandskämpfern durchsucht. Auch dabei wurden Augenzeugen zufolge wieder Bomben gegen die Bewohner eingesetzt. In vielen Städten des Landes kam es daraufhin zu grossen Protestaktionen gegen das Vorgehen der Militärpolizei, während von Regierungschefin Dilma Rousseff gefordert wird, die bisherigen offiziellen Eigentümer des Landes zu enteignen und den Bewohnern zu übergeben.
Gegenüber TeleSur verurteilte Guilherme Boulos von der Vereinigung der obdachlosen Arbeiter Brasiliens die »Kriegsaktion der Regierung von Sao Paulo«, die versucht habe, ein soziales Problem mit Waffengewalt zu lösen.
Seit Februar 2004 hatten sich 500 obdachlose Familien auf dem Grund und Boden des in Bankrott gegangenen Unternehmens »Selecta Handel und Industrie« in der brasilianischen Stadt São José dos Campos, im Paraiba-Tal, Bundesstaat São Paulo, niedergelassen und ihrer neuen Heimat den Namen Pinheirinho gegeben. Der Eigentümer, Naji Nahas, ist ein Spekulant in der Finanzbranche. Er befindet sich auf Bewährung auf freiem Fuss und verteidigt sich derzeit vor Gericht. Im Juni 1989 hatte er der Anklage zufolge als Eigentümer des in Bankrott gegangenen Unternehmens einen ungedeckten Scheck in Höhe einiger Millionen Dollar ausgestellt, um durch einen Strohmann an der Börse von Rio de Janeiro verkaufte und bald wieder gekaufte Aktien zu bezahlen. Vor diesem Hintergrund entwickelte sich die Bewegung zum Wohnungsbau in der Landbesetzung von Pinheirinho. Diese Besetzung, die zuletzt 1600 Familien bzw. etwa 6000 Menschen umfasste, fordert das, was in der brasilianischen Verfassung von 1988, in der Satzung der Gemeinde und in der Bauleitplanung der Stadt verankert ist: Das Recht auf Wohnung.
Videoberichte von der Räumung:
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