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Drei Monate nach dem Putsch ist Zelaya der populärste Politiker | Drucken |  E-Mail
Honduras
Donnerstag, den 08. Oktober 2009 um 23:40 Uhr
Trotz der ungezügelten Hetze des Putschistenregimes und der von ihm kontrollierten Medien ist der gestürzte Präsident Manuel Zelaya noch immer der populärste Politiker seines Landes. Die in San Pedro Sula erscheinende Tageszeitung »Tiempo« berichtet heute von einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts COIMER&OP, einer vom honduranischen Wahlgericht für die Begleitung der Wahlen zugelassene Institution. Der zwischen dem 23. und 29. August durchgeführten Umfrage zufolge lehnen 52,7 Prozent der Bevölkerung den Putsch vom 28. Juni ab, nur 17,4 Prozent unterstützen ihn, während 29,9 Prozent keine Antwort geben.

60,1 Prozent der Befragten forderten einen Rücktritt von Putschistenpräsident Roberto Micheletti, während zugleich 51,6 Prozent sich für eine Rückkehr Zelayas in das Präsidentenamt aussprachen.

Hinsichtlich der Beliebtheit bewerten 56,5 Prozent der Befragten Micheletti negativ, nur 16,2 Prozent haben eine positive Meinung. Im Gegensatz dazu haben 44,7 Prozent eine positive Meinung von Zelaya, nur 25,7 Prozent bewerten ihn negativ. Damit sind Zelaya und seine Ehefrau, die noch etwas bessere Umfragewerte erzielte, die populärsten Politiker in Honduras.

»Wir sollten davon ausgehen, dass die Unbeliebtheit der Diktatur sicherlich noch zugenommen hat, nachdem der Ausnahmezustand verhängt und oppositionellen Medien Maulkörbe verpasst wurden, was eine offene Verletzung der Verfassung der Republik, der Universellen Erklärung der Menschenrechte und der Amerikanischen Menschenrechtskonvention darstellt«, kommentiert die Zeitung.

Die Vermittlungsbemühungen einer internationalen Kommission von fünf lateinamerikanischen Außenministern und weiteren hochrangigen Regierungsvertretern ist unterdessen gescheitert. Anstatt auf die Forderungen der Delegation nach einer Wiedereinsetzung des rechtmäßigen Präsidenten Manuel Zelaya einzugehen, sorgte Putschistenpräsident Roberto Micheletti für einen Eklat. »Sie kennen die Wahrheit nicht oder Sie wollen sie nicht kennen«, fuhr er die Mitglieder der Delegation an, die sich im Präsidentenpalast von Tegucigalpa mit dem De-facto-Staatschef versammelt hatten. Vor laufenden Fernsehkameras nutzte Micheletti fast die Hälfte der gut eine Stunde dauernden Unterredung dazu, sich über die Verurteilung des Staatsstreiches durch die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) zu beklagen. Mehrfach schlugen die Außenminister während der Tiraden Michelettis die Hände über dem Kopf zusammen.

Zelaya, der sich seit seiner überraschenden Rückkehr nach Honduras am 21. September in der brasilianischen Botschaft in Tegucigalpa aufhält, hatte bereits zuvor gewarnt, daß die Putschisten nicht zum Nachgeben bereit seien und darauf hingewiesen, daß der Ausnahmezustand noch nicht beendet sei. Zwar habe das Regime am Montag die Aufhebung des entsprechenden Dekretes beschlossen, diese Entscheidung sei aber noch nicht im Amtsblatt veröffentlicht worden und damit bislang nicht rechtskräftig. Am Mittwoch war das Militär erneut mit Tränengas gegen mehrere hundert Demonstranten vorgegangen, die eine Rückkehr zur demokratischen Ordnung gefordert hatten.

Zugleich forderte Zelaya, er müsse bis zum 15. Oktober wieder in sein Amt eingesetzt werden, ansonsten könne man die für den 29. November geplante Präsidentschaftswahl nicht durchführen und müsse sie verschieben. Eine Abstimmung unter Kontrolle der Putschisten werde international nicht anerkannt. Durch die Weigerung, dem vom Volk gewählten Präsidenten sein Amt zurückzugeben, verschärfe das Regime die Krise, warnte Zelaya.
 
Berlin

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