| Iván Márquez: Wer die FARC besiegt glaubt, kennt die Guerrilla nicht | | Drucken | |
| Kolumbien |
| Mittwoch, den 30. Juli 2008 um 12:19 Uhr |
|
Der lateinamerikanische Nachrichtensender TeleSur hat gestern ein ausführliches Interview mit dem führenden FARC-Repräsentanten Iván Márquez verbreitet. Das Mitglied des Sekretariats der Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens, der nach wie vor ältesten und größten Guerrilla Lateinamerikas, erläutert in diesem Gespräch die Positionen der FARC nach der Serie von Verlusten und Niederlagen wie dem Tod mehrerer Führungsmitglieder und ihres obersten Comandante, Manuel Marulanda.
Auf die Frage des TeleSur-Journalisten William Parra, ob der Tod Marulandas im März, als die FARC bereits den Tod von Raúl Reyes und Iván Ríos verkraften mussten, zu einem "schlechten Zeitpunkt" gekommen sei, antwortete Márquez: "Wir Revolutionäre suchen uns den Moment des Sterbens nicht aus, aber, wie Che es sagte, überall wo uns der Tod überrascht, soll er uns willkommen sein, wenn unser Kampfruf (und das sage ich) für Frieden mit sozialer Gerechtigkeit, Unabhängigkeit, Sozialismus und das große Heimatland ein offenes Ohr findet. Der Kampf, den wir führen, geht bis zur letzten Konsequenz, denn 'in einer Revolution siegt man oder stirbt, wenn es eine wirkliche Revolution ist'." Schmerzliche Verluste seien in einer solchen Konfrontation vorhersehbar, insbesondere wenn es sich um einen Feind mit solcher Stärke handelt, der mit der vollen militärischen Unterstützung der US-Regierung rechnen kann. "Aber wir können feststellen, dass wir trotz des Siegesgeschreis in den Medien aus der schrecklichen Nacht des März mit neuen Erfahrungen und einem klaren Horizont hervorgehen, um den Kampf um Frieden, soziale Gerechtigkeit, die wirkliche Demokratie und die Würde fortzuführen." Márquez dementierte auch, dass die FARC militärisch besiegt seien. "Sie kennen die FARC nicht. Sie verwechseln ihren Wunsch mit der Wirklichkeit und lassen sich von ihren eigenen Phantasien täuschen. Die FARC sind keine Armee von Anfängern. (...) Vom Ende der FARC sprechen sie seit dem Angriff auf Marquetalia im Mai 1964. In den vergangenen 44 Jahren haben sie jede Art von Plänen und Militäroperationen durchgeführt, um die FARC zu zerschlagen, und es ist ihnen nicht gelungen." Er erinnerte an den Plan LASO (Lateinamerikanische Sicherheitsoperation), mit dem ein "neues Cuba" verhindert werden sollte, an die Operationen Sonora und Centauro, "aber die Aggressoren mussten mit eingekniffenem Schwanz zu ihren nordamerikanischen Mentoren und Anleitern zurückkehren". Darauf folgten die Pläne Thanatos, Destructor 1 und 2, Plan Colombia sowie parallel dazu die paramilitärischen Banden, die von Márquez als "verbrecherische Aufstandsbekämpfungsstrategie des Staates zur Zerstörung der sozialen Basen der Guerrilla durch Massaker, Massengräber und Motorsägen" bezeichnet wurde. "Weder dem Feuer noch den Bomben der Militäroperationen der Oligarchie und des Imperiums noch den manipulierten Demonstrationen wird es gelingen, den Widerstand und den Kampf für ein Neues, bolivarisches Kolumbien zu beseitigen. Der bewaffnete Kampf in Kolumbien ist wirksam und findet statt, weil die politischen, wirtschaftlichen und sozialen Probleme, die ihn ausgelöst haben, nicht verschwunden sind." Der Guerrilla-Comandante erinnerte auch daran, dass die FARC 1984 nach dem Abkommen von La Uribe versucht hatten, sich auf den Kampf an den Wahlurnen einzulassen. "Aber die von uns vorgestellte Alternative, die Patriotische Union, wurde mit Schüssen zerschlagen. Fünftausend Tote forderte die Unversöhnlickeit des santanderistischen Regimes, das Kolumbien unterdrückt. Deshalb kämpfen wir im Verborgenen mit der Bolivarischen Bewegung für das Neue Kolumbien." Angesprochen auf die Befreiung von 15 Gefangenen der FARC am 2. Juli, unter ihnen die frühere Präsidentschaftskandidatin Ingrid Betancourt und drei US-Agenten, kommentierte Márquez: "Bei der unerwarteten Befreiung von 15 Kriegsgefangenen in den Wäldern von Guaviare sind weder Uribe noch Santos noch die Generäle Padilla und Montoya die Helden, als die sie sich darstellen. Bei der angeblichen Operation haben sie nur die Hubschrauber gestellt, alle Arbeit wurde von zwei Verrätern getan, die ihrerseits von den Generälen und der Regierung verraten wurden. Das Ereignis wurde letztlich dazu benutzt, um dem Präsidenten und den Militärs Blumenkränze zu binden und vor allem, um von der skandalösen Unrechtmäßigkeit und Illegalität der zweiten Amtszeit des Herrn Uribe abzulenken, die durch das Verbrechen der Bestechung zur erst ermöglicht wurde". Uribe hatte durch eine Verfassungsänderung, die nur mit knapper Mehrheit im Parlament beschlossen wurde, das Verbot der sofortigen Wiederwahl aufheben lassen. In den vergangenen Wochen wurde durch Gerichtsurteil deutlich, dass die zunächst fehlenden Stimmen durch Bestechung der Abgeordneten besorgt worden waren. Das vollständige Interview in spanischer Sprache dokumentieren wir auf RedGlobe Noticias: Bitte hier klicken Quelle: TeleSur / RedGlobe Neuere Artikel:
Ältere Artikel:
|
