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Freilassung von Moncayo und Calvo rückt näher | Drucken |  E-Mail
Kolumbien
Dienstag, den 23. März 2010 um 19:03 Uhr

Gustavo und Yury Tatiana Moncayo, Vater und Schwester von Pablo EmilioDie Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (FARC) haben heute das Sicherheitsprotokoll akzeptiert, das Vertreter der kolumbianischen Regierung und des Internationalen Roten Kreuzes ausgehandelt haben, um die von der Guerrilla angekündigte Freilassung von zwei gefangenen Soldaten zu ermöglichen. Einem Bericht des lateinamerikanischen Fernsehsenders TeleSur zufolge findet derzeit ein Treffen zwischen der liberalen Senatorin Piedad Córdoba, die als Vermittlerin zwischen dem Regime in Bogotá und der Guerrilla wirkt, und dem Vater des seit über zwölf Jahren von den FARC gefangen gehaltenen Unteroffiziers Pablo Emilio Moncayo statt. Córdoba und der Lehrer Gustavo Moncayo werden vermutlich in Kürze bei einer Pressekonferenz Stellung zur aktuellen Entwicklung nehmen.

TeleSur zufolge wird die gesamte Operation zur Übergabe der beiden Gefangenen - neben Pablo Emilio Moncayo auch der im April 2009 gefangene Soldat Josué Calvo - drei bis vier Tage in Anspruch nehmen, da sich beide Gefangene offenbar nicht am selben Ort aufhalten. Epizentrum der Ereignisse wird offenbar Villavicencio am Fuss der kolumbianischen Berge sein.

Der mittlerweile 31 Jahre alte Pablo Emilio Moncayo war den Revolutionären Streitkräften Kolumbiens (FARC), der ältesten und größten Guerrillaorganisation Lateinamerikas, 1997 bei einem Gefecht seiner Einheit der Guerilla in die Hände gefallen. Bereits im April vergangenen Jahres hatten die FARC in einem Kommuniqué angekündigt, den Soldaten freilassen zu wollen, ohne dafür auf eine Gegenleistung der Regierung in Bogotá zu bestehen. Sie forderten lediglich, daß die liberale Senatorin Piedad Córdoba als Vertreterin der Gruppe »Kolumbianerinnen und Kolumbianer für den Frieden« bei der Übergabe der Gefangenen anwesend sein müsse. Außerdem solle die Regierung die für eine ungefährdete Freilassung »notwendigen Garantien« abgeben. Damit war vor allem ein zeitweiliger Verzicht auf Militäroperationen in dem für die Übergabe vorgesehenen Gebiet gemeint, denn immer wieder geraten auch Geiseln der Guerilla in Lebensgefahr, wenn sie bei Angriffen des Militärs auf Kolonnen der FARC zwischen die Fronten geraten. So kamen 2007 elf von der Guerilla entführte Abgeordnete bei einem Angriff der Regierungstruppen auf ein Rebellencamp ums Leben. Mit dem Sicherheitsprotokoll der Regierung und seiner Akzeptanz durch die FARC scheint diese Hürde nun nach fast einem Jahr ausgeräumt zu sein.

In einer der Regierung übergebenen Liste haben die FARC weitere gefangene Soldaten und Polizisten aufgelistet, die sie gegen rund 500 in kolumbianischen Gefängnissen inhaftierte Guerilleros austauschen wollen. Die ohnehin nie große Bereitschaft der Regierung in Bogotá zu einem solchen humanitären Gefangenenaustausch ist jedoch deutlich zurückgegangen, seit es ihr 2008 bei einer großangelegten Operation gelungen war, mit der früheren Präsidentschaftskandidatin Ingrid Betancourt die bekannteste Gefangene der Guerilla zu befreien. Präsident Álvaro Uribe, der ein strikter Verfechter militärischer Operationen zur Befreiung der Geiseln und zur Zerschlagung der Guerilla ist, möchte vor allem verhindern, daß die FARC und politische Gegner im In- und Ausland aus einer erfolgreichen Vermittlung politischen Nutzen ziehen können. So verweigerte er über Wochen seine Zustimmung zur Vermittlungstätigkeit Córdobas und verzögerte dadurch die angestrebte Freilassung von Pablo Emilio Moncayo.

Dessen Vater, Gustavo Moncayo, warf Uribe vor, durch seine Haltung »die Türen zu schließen und Pablo Emilio die Freiheit (zu) verweigern«. Der 57 Jahre alte Lehrer aus der im Südwesten Kolumbiens gelegenen Ortschaft Sandoná war 2006 international bekanntgeworden, als er von seiner Heimat aus zu Fuß in anderthalb Monaten die mehr als 1200 Kilometer bis in die Hauptstadt Bogotá zurücklegte, um dort von der Regierung Unterstützung für die Freilassung seines Sohnes und einen humanitären Austausch einzufordern. Als ständig sichtbares Symbol für das Leiden seines Sohnes und der anderen Gefangenen ließ sich Moncayo Ketten anlegen, die er erst nach der Freilassung von Pablo Emilio ablegen will. Die trug er auch, als er 2007 nach Europa reiste und um politische Unterstützung für eine humanitäre Lösung warb. »Die Gefangenen der Guerilla gewaltsam zu befreien, käme einem Todesurteil für sie gleich«, warnte er schon damals. Deshalb müsse es eine politische Lösung durch Verhandlungen geben: »Wir sind es leid zu sehen, wie Menschen in diesem Krieg sterben.«


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