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 Die Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (FARC) und die Nationale Befreiungsarmee (ELN) wollen ihren seit Monaten in der ostkolumbianischen Provinz Arauca geführten Bruderkrieg beenden. In einer gemeinsame Erklärung der beiden wichtigsten Guerrillaorganisationen des südamerikanischen Landes, die zu Wochenbeginn auf der FARC-Homepage veröffentlicht wurde, informieren die regionalen und nationalen Kommandostrukturen beider Organisationen über ein Treffen, bei dem die Ursachen für die Konfrontation diskutiert und offenbar ausgeräumt wurden. »Selbstkritisch erkennen wir an, daß wir die Bevölkerung geschädigt und in Mitleidenschaft gezogen haben«, schreiben die Guerrilleros und bitten die Opfer um Entschuldigung.
Die seit Jahren schwelenden Konflikte zwischen den beiden Organisationen waren Ende Mai in der Region offen ausgebrochen. Während aus dem jetzt veröffentlichten Kommuniqué keine Details über die Ursachen der Auseinandersetzungen genannt werden, führt der kolumbianische Armeegeneral Rafael Alberto Neira Wiesner diese auf Konkurrenz um Gebietskontrolle und den Einfluß auf die Bevölkerung zurück. Bauern und andere Einwohner der Region gerieten während der Gefechte zwischen Einheiten beider Organisationen immer wieder zwischen die Fronten, zahlreiche Familien flohen daraufhin aus dem Kampfgebiet. Das räumen FARC und ELN auch indirekt ein, wenn sie in ihrer Erklärung die Bauern zur Rückkehr auf ihre Ländereien ermutigen.
Bereits im vergangenen Dezember hatten die zentralen Kommandostrukturen beider Organisationen eine Erklärung veröffentlicht, in der sie ihren untergeordneten Einheiten befehlen, sofort die gegenseitigen Auseinandersetzungen zu beenden und die Zivilbevölkerung zu respektieren. Trotzdem eskalierte der Konflikt zumindest in Arauca, während FARC und ELN in der südwestlichen Region Nariño offenbar sogar gemeinsam operieren. So erklärten Sprecher der kolumbianischen Polizei in der vergangenen Woche, beide Organisationen seien gemeinsam für einen Anschlag gegen das Hauptquartier des Geheimdienstes DAS in der Stadt Pasto verantwortlich. Bereits in der Vergangenheit hatten die beiden Organisationen immer wieder versucht, enger zusammenzuarbeiten, doch die 1987 gebildete »Guerillakoordination Simón Bolívar« (CGSB) löste sich Anfang der 90er Jahre de facto wieder auf.
Beide Guerrillas gründeten sich in den 60er Jahren, einer Zeit des Aufschwungs linker Bewegungen in Lateinamerika nach dem Sieg der kubanischen Revolution. Die FARC entstanden aus Bauernbewegungen, die sich gegen Übergriffe der Großgrundbesitzer auch bewaffnet zur Wehr setzten. Ihre Gründung datiert die Organisation auf den Juni 1964, als sich ihre erste Gruppe unter Führung des legendären Comandante Manuel Marulanda vor einer Offensive der kolumbianischen Armee in den Urwald zurückzog und dort begann, sich als bewaffneter Arm der Kolumbianischen Kommunistischen Partei (PCC) zu organisieren. Nach vor allem taktischen Konflikten in den 90er Jahren löste sich die Guerilla von der legalen Organisation und gründete ihre eigene »Geheime Kommunistische Partei« (PCCC). Demgegenüber war die ELN eine bewußte Gründung von 18 Bauern und Studenten, die am 4. Juli 1964 unter dem Eindruck der Erfolge der kubanischen Rebellenarmee Fidel Castros die erste Zelle der neuen Guerilla gründeten.
Nach schweren Rückschlägen in den vergangenen Jahren gewinnen die kolumbianischen Guerilleros mittlerweile offenbar wieder an Kraft. Besonders seit dem Amtsantritt des neuen Präsidenten Juan Manuel Santos am 7. August kam es zu zahlreichen Gefechten zwischen den Aufständischen und Regierungstruppen, bei denen allein in der ersten Septemberwoche Medienberichten zufolge mehr als 30 Soldaten und Polizisten getötet wurden. Dabei dringt die Guerrilla auch wieder in Gebiete vor, aus denen sie in den letzten Jahren vertrieben worden war. Verteidigungsminister Rodrigo Rivera räumte daraufhin ein, daß die Guerrilla mittlerweile wieder in der Offensive sei. Bis vor wenigen Wochen hatten die Militärs noch von einem »Rückzug« der FARC und ELN gesprochen. Hochrangige Offiziere hatten wiederholt geprahlt, man sei »am Ende des Endes« des Krieges. Ariel Ávila von der Stiftung Nuevo Arco Iris, die schon im August von einer »Erholung« der Guerrilla gesprochen hatte, fordert nun eine Neuorientierung der Regierungstruppen. Der Wochenzeitung Semana sagte er: »Die Politik der Demokratischen Sicherheit ist an ihre Grenze gestoßen. Man muß sie an die neue Kampfform der Guerilla anpassen.«
Dokumentiert: Gemeinsame Erklärung von FARC-EP und ELN: Nie wieder Konfrontation zwischen Revolutionären
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Anmerkung der Redaktion: Die Originalquelle der gemeinsamen Erkärung ist die Homepage der FARC-EP unter www.farcejercitodelpueblo.org