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Lügengebäude bricht zusammen: Freispruch in Bogotá | Drucken |  E-Mail
Kolumbien
Samstag, den 04. Juni 2011 um 12:54 Uhr

Miguel Ángel BeltránDie kolumbianische Justiz hat am Freitag den Universitätsprofessor Miguel Ángel Beltrán Villegas freigesprochen, der angeklagt gewesen war, Mitglied der Internationalen Kommission der Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (FARC) gewesen zu sein. Die Anklage stützte sich dabei auf Daten, die angeblich auf den Computern des 2008 ermordeten FARC-Sprechers Raúl Reyes gefunden worden sein sollen. Richterin Luisa Fernanda López Díaz stützte sich in ihrem Urteil jedoch auf eine Entscheidung des Obersten Gerichtshofs vom 19. Mai, das die Reyes-Computer als Beweismittel ausgeschlossen hatte.

Die Dokumente aus der »Wundertüte« Reyes-Computer waren schon kurz nach deren Auftauchen international in Zweifel gezogen worden. Ecuadors Behörden, denen die Daten Wochen später übergeben worden waren, stellten fest, dass zehntausende Dateien manipuliert worden waren. Es blieb unklar, wer in der Zeit unmittelbar nach dem Angriff kolumbianischer Truppen auf ein FARC-Lager am 1. März 2008 Zugriff auf die Rechner hatte und was dabei getan wurde.

Beltrán war am 22. Mai 2009 in Mexiko verhaftet worden und von den mexikanischen Behörden an Kolumbien ausgeliefert worden. Bereits während des Prozesses hatte der Professor erklärt, bei diesem handele es sich »um eine eindeutige Verfolgung des kritischen Denkens«. Er sei der Wahrheit verpflichtet, auch wenn dies »bestimmten Gewalten« nicht gefalle. »Ich bin Opfer von Verfolgungen wegen meiner Ideen geworden, nicht nur in Kolumbien, sondern auch in Mexiko«, unterstrich er. Seine Angehörigen teilten nun mit, dass er voraussichtlich am kommenden Dienstag aus der Haft entlassen werden wird.

Wie die kolumbianische Tageszeitung »El Tiempo« schreibt, werden in Bogotá jetzt weitere Freisprüche erwartet. Dies könnte auch für den Journalisten Joaquín Pérez Becerra gelten. Der schwedische Staatsbürger kolumbianischer Herkunft war Ende April in Venezuela verhaftet und umgehend an Kolumbien ausgeliefert worden. Auch die von Bogotá gegen den Chefredakteur der alternativen Nachrichtenagentur ANNCOL erhobenen Vorwürfe stützen sich auf die Reyes-Computer.


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