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Heute beginnt eine neue Epoche in Paraguay | Drucken |  E-Mail
Paraguay
Freitag, den 15. August 2008 um 13:07 Uhr
Heute reiht sich Paraguay in die Achse des Guten ein. In Anwesenheit zahlreicher Präsidentinnen und Präsidenten Lateinamerikas - unter ihnen Michelle Bachelet (Chile), Cristina Fernández de Kirchner (Argentinien), Evo Morales (Bolivien), Rafael Correa (Ecuador) und Hugo Chávez (Venezuela) - übernimmt der frühere Bischof Fernando Lugo das Präsidentenamt in dem südamerikanischen Staat. Damit endet nach mehr als 60 Jahren die Herrschaft der Colorado-Partei, die sich sowohl unter der Diktatur von Alfredo Stroessner (1954-1989) als auch in der angeblichen Demokratie an der Herrschaft halten konnte.

Dem katholischen Geistlichen, der als "Bischof der Armen" bekannt geworden war, und seinem Mitte-Links-Bündnis "Patriotische Allianz für den Wandel" (APC) gelang mit seinem Wahlsieg vom 20. April etwas, das noch vor zwei Jahren für unmöglich gehalten wurde, wie die kubanische Agentur Prensa Latina kommentiert. Der Aufstieg Lugos begann 2006, als er an der Spitze von Massenprotesten gegen den Versuch des bisherigen Präsidenten Nicanor Duarte stand, der durch eine Verfassungsänderung seine Wiederwahl ermöglichen wollte. Am 29. März 2006 führte Lugo eine Großdemonstration von mehr als 40.000 Menschen in Paraguays Hauptstadt Asunción an, die sich gegen die Manöver des Präsidenten richtete. Noch im gleichen Jahr ließ er sich von seinem Priesteramt beurlauben und trat auch offiziell in das politische Leben des Landes ein.

Am 18. September 2007 wurde das Wahlbündnis APC aus der Taufe gehoben, das 10 der wichtigsten Parteien Paraguays vereint. Auch die meisten Gewerkschaften und sozialen Organisationen erklärten ihre Unterstützung für Lugo. Am 20. April setzte er sich mit 40,82 Prozent gegen die Colorado-Kandidatin Blanca Ovelar durch, die 30,72 Prozent erreichte. Auf dem dritten Platz landete der frühere Putschist Lino Oviedo mit 21,98 Prozent.

Vor Lugo und seinem Kabinett steht nun die schwierige Aufgabe, die versprochene Bekämpfung der Armut anzugehen, obwohl ist im Parlament über keine Mehrheit verfügt. Der neue Präsident zeigt sich jedoch optimistisch und kündigte bei einer Kundgebung sozialer Bewegungen des Landes am gestrigen Donnerstag an, man werde ab dem heutigen Freiteg "eine andere Nation aufbauen". "Paraguay ist aufgestanden, sie wollten es niederringen und zum Schweigen bringen, aber der Ruf des Volkes war stärker. Wir sind frei und werden nie wieder zurückgehen, nichts wird mehr so sein wie früher. Morgen beginnt eine neue Geschichte, die wir selber machen werden. Das Volk hat die Geschichte dieses Landes verändert, und das passiert nicht oft." Er kündigte an, die in Paraguay allgegenwärtige Korruption zu bekämpfen: "Wir werden nicht erlauben, dass sie uns wieder mit Brosamen kaufen, denn wir haben keinen Preis!"

Zu einer Kundgebung aus Anlass der Amtseinführung Lugos werden bis zu 15.000 Anhänger erwartet. Neben neun Präsidenten und Vizepräsidenten werden 97 ausländische Delegationen erwartet. Bereits gestern liess sich Lugo symbolisch nach einem alten indigenen Ritus vereidigen und in sein neues Amt einführen. Vor zahlreichen Arbeitern, Bauern und Jugendlichen, die den Beginn einer neuen Hoffnung feierten, rief Lugo aus: "Ja, ich schwöre", als er von Indígenas die "Gaben eines neuen Paraguay" überreicht bekam: Erde, Lebensmittel, Wasser und eine Decke. Er kündigte an, auf das ihm als Staatschef zustehende Gehalt zu verzichten: "Ich brauche dieses Geld nicht, es gehört den Armen".