| PSUV wird stärkste Partei, aber Caracas fällt an die Opposition |
| Venezuela |
| Montag, den 24. November 2008 um 10:17 Uhr |
|
Mehr als sieben Stunden länger als geplant blieben an manchen Orten in Venezuela die Wahllokale geöffnet, weil der Andrang zu den Regionalwahlen am Sonntag Rekordmaße annahm. Mit einer Beteiligung von 65,45 Prozent lag die Beteiligung an dieser Abstimmung deutlich höher als bei früheren Regionalwahlen, bei denen die Beteiligung selten auch nur die 50-Prozent-Marke erreichte. Obwohl das venezolanische Gesetz klar vorschreibt, dass die Öffnungszeiten der Wahllokale verlängert werden sollen, wenn noch Menschen in den Schlangen auf die Stimmabgabe warten, forderten Oppositionsvertreter ein ums andere Mal die sofortige Beendigung der Abstimmung und warfen der Regierung Betrugsabsichten vor.
Um 23.45 Uhr Ortszeit legte der Nationale Wahlrat (CNE) dann die ersten offiziellen Zahlen vor. Stärkste Partei wurde landesweit erwartungsgemäß die Vereinte Sozialistische Partei (PSUV), die sich in 17 Bundesstaaten sicher durchsetzen konnte. Bitter für die Partei des Präsidenten ist jedoch der Verlust des wichtigen Hauptstadtdistriktes Caracas und des an diesen angrenzenden Bundesstaates Miranda. Auch die bisher schon von der Opposition regierten Bundesstaaten Zulia und Nueva Esparta - mit der Ferieninsel Margarita - konnte die bolivarische Bewegung nicht zurückgewinnen. Nur wenige Minuten nach der Bekanntgabe der ersten offiziellen Zahlen durch den Nationalen Wahlrat (CNE) wendete sich Venezuelas Präsident und PSUV-Parteichef Hugo Chávez mit einer Ansprache an die Bevölkerung. Er beglückwünschte die Wählerinnen und Wähler, die an diesem Sonntag voller Freude und mit nur wenigen Zwischenfällen ihre Stimme abgegeben hatten und dankte der CNE-Präsidentin Tibisay Lucena, den Streitkräften und allen anderen an den Wahlen beteiligten Kräften. Zugleich beglückwünschte er mehrmals die »großartige Vereinte Sozialistische Partei«, die rund sechs Millionen Stimmen gewonnen habe. »Die Landkarte ist vollkommen rot gekleidet«, aber man müsse Selbstkritik üben, wo es angebracht sei. »Der Sieg gehört Venezuela, der venezolanische Weg, den wir gewählt haben, ist bestätigt worden«, lobte Chávez und würdigte die Verfassung von 1999, die eine der fortgeschrittensten der Welt sei. »Die Masse der Wählerinnen und Wähler ist so groß, dass wir die Zahl der Wahllokale verzehnfachen müssen«, forderte er. Die Wahlbeteiligung von über 65 Prozent bezeichnete Chávez als »Rekord«. Er dankte dem früheren Bildungsminister und unterlegenem Kandidaten für das Oberbürgermeisteramt von Caracas, Aristóbulo Istúriz, für seinen Einsatz. »Aristóbulo hat mich angerufen, um mir zu sagen, dass wir es nicht geschafft haben. Ja, wir haben es nicht geschafft... por ahora«. zitierte Chávez seine berühmt gewordenen Worte nach dem Aufstand vom 4. Februar 1992. Auch in Miranda unterlag der bolivarische Kandidat und Amtsinhaber Diosdado Cabello mit fast sechs Prozentpunkten Unterschied dem Oppositionskandidaten. »Wer will jetzt noch behaupten, dass in Venezuela eine Diktaur herrscht?« nutzte Chávez jedoch auch diese Niederlage für seine Argumentation. »Wir haben acht Staaten mit mehr als zehn Prozentpunkten Abstand gewonnen und zwei Staaten mit mehr als 50 Punkten Unterschied«, stellte er fest und erkannte zugleich die Siege der Opposition in Miranda, Zulia, Nueva Esparta und im Hauptstadtdistrikt an. Er rief sie dazu auf, im Rahmen der demokratischen Spielregeln zu bleiben. So wie er sie anerkennen müsse, müssten auch sie ihn als Präsidenten anerkennen, forderte Chávez. Neuere Artikel:
Ältere Artikel:
|

