| Sean Penn: Der Berg der Schlangen (Teil 4) |
| Venezuela |
| Montag, den 29. Dezember 2008 um 01:00 Uhr |
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MI HERMANO Fernando Sulichin ist ein unabhängiger Filmproduzent aus Argentinien. Ich lernte ihn in den späten 1980er Jahren durch den Regisseur Spike Lee kennen. Fernando und ich blieben durch die Jahre hindurch in Kontakt, und gegen Ende 2006 rief er mich aus Caracas an, wo er gerade eine Dokumentation vorbereitete, deren Regie Oliver Stone führen sollte. Nach einem kurzen Gespräch konnte mir Fernando versichern, dass ich gewissen Zugang um Präsidenten Chavez haben könnte, sollte ich nach Caracas kommen. Ich nahm den nächsten Flieger. Als ich in Caracas landete, wurde ich von Beratern von Andres Izarra begrüßt. Er ist der Präsident von teleSUR, dem südamerikanischen Fernsehsender, welcher dem Modell von CNN folgt. Vorher hatte Andres als Programmdirektor bei Radio Caracas Televisión (RCTV) gearbeitet, doch in 2002 finanzierten die Oppositionspartei und das US-Verteidigungsministerium einen gegen die Chavez-Regierung gerichteten Putschversuch mit. RCTV, aber auch alle anderen Medien in Radio, Presse und Fernsehen waren vornehmliche Ziele der putschistischen Handlanger. Die Sender waren besetzt worden, und als Izarra instruiert wurde, die Antwort der Chavistas nicht zu senden, kündigte er aus Protest. Diese Handlung führte später dazu, dass der wiedereingesetzte Chavez zum Minister für Kommunikation ernannte und somit in die Regierung einband. Seine bevorstehende Hochzeit mit der Angehörigen einer Oppositionspartei zog eine Untersuchung nach sich, sodass er den Posten bald wieder abgeben und zu teleSUR wechseln musste. Jedoch wurde er im Frühjahr auf seinen Ministerposten zurückgeholt. Die Mitarbeiter setzten mich beim Palace Hotel, welches direkt an der Plaza Alta Mira steht, ab. Auf dem Platz waren ungefähr 200 Demonstranten, welche schräg über die Straße in Richtung der beim Hotel versammelten TV-Kameras Beschimpfungen ausschrien und Anti-Chavez-Slogans skandierten. Es wurde lang und breit darüber berichtet, wie Chavez RCTV, welches zum wichtigsten oppositionellen Nachrichtensender geworden war, „dicht gemacht“ habe. Diese Handlung wurde als Beweis für die Politik einer totalitären Regierung angepriesen, welche eine Zensur auf die Meinungs- und Pressefreiheit ausübe. Die zog die Wut verschiedener einheimischer und internationaler Advokaten der Pressefreiheit, inklusive den Reportern ohne Grenzen, nach sich. In Wahrheit hatte RCTV eine begrenzte (und damit endliche) Sendelizenz, wie alle anderen Sender auch. Als ein Sender, welcher fast tagtäglich die Forderung nach einem Putsch und sogar einem Attentat auf Präsident Chavez seit dessen ersten Wahlsieg 1998 wiederholte, entschloss sich die Regierung lediglich, diese Sendlizenz nicht auf ein Neues zu verlängern. Tatsächlich unternahm man 2002 einen Putschversuch gegen Chavez, welcher von wohlhabenden Öl- und Medienmagnaten geplant worden und zusätzlich finanziert von amerikanischen Organisationen durch USAID und NED (National Endowment for Democracy). Offizielle Dokumente sprechen die CIA zwar von jeder Verstrickung frei. Doch sie bestätigen, dass Unterstützungsfonds für den Putschversuch zu Zwecken der „Demokratieförderung“ unter Anweisung und in Absprache mit dem US-Verteidigungsministerium kanalisiert wurden. Ich war nur ein paar Minuten davon entfernt, die Wahrheit dieser Geschichte herauszufinden. Da kam mir der Gedanke, dass in den Vereinigten Staaten Produzenten, Programmdirektoren und Nachrichtensprecher, sollten sie die Ermordung unseres eigenen Präsidenten anpreisen, nicht nur vom Äther genommen werden würden, sondern künftig auch noch eine Bundesjustizvollzugsanstalt ihr neues Heim nennen dürften. Es war elf Uhr nachts. Izarras Mitarbeiter rieten mir, dass Caracas nicht der Ort sei an dem ein Amerikaner sich zu dieser Stunde allein hinaus trauen sollte. Ich sollte einfach bis zum Morgen warten, um mich sammeln zu können. Ich ging auf mein Hotelzimmer und machte den Fernseher an. Zufällig war da Bill O’Reilly, von Fox Television in den Staaten aus sendend, welcher den venezolanischen „Diktator“ anprangerte. Wie es mein Brauch ist, wechselte ich den Sender, aber nicht ohne vorher kurz nachzudenken: „Hmmm…ich dachte, Chavez hat diese Art von Dingern zensiert.“Zwei Kanäle weiter berichtete ein venezolanischer Sender live von der Demonstration vor meinem Hotel. Unmaskierte Demonstranten, welche „Chavez ist ein Schwein!“ in die Kamera rufen. Anscheinend war diese Art von Sprache erlaubt, ohne dass man eine Verhaftung fürchten musste. Ich machte den Fernseher aus und lies mich von der Redefreiheit, die über den Platz durch das Fenster drang, in den Schlaff einlullen. Übersetzung: Zoran Sergievski, Wien Der nächste Teil dieser Reportage erscheint morgen - natürlich bei RedGlobe Neuere Artikel:
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