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Venezuela aktuell

Chávez verkauft linken Journalisten an Santos
Venezuela
Montag, den 25. April 2011 um 17:40 Uhr

Joaquín Pérez BecerraMit Empörung haben linke Organisationen in Venezuela auf die offenbar am Freitag erfolgte Verhaftung des schwedischen Staatsbürgers kolumbianischer Abstammung Joaquín Pérez Becerra durch die venezolanischen Sicherheitskräfte reagiert. Der Journalist war am internationalen Flughafen Maiquetia festgenommen worden, als er aus Frankfurt kommend in Caracas gelandet war, um Venezuela zu besuchen. Unmittelbar zuvor hatte offenbar Kolumbiens Staatschef Juan Manuel Santos mit einem Telefonanruf bei seinem venezolanischen Amtskollegen Hugo Chávez die Verhaftung erbeten. Bogotá zufolge soll Pérez Gutiérrez als »Alberto Martínez« der Europa-Vertreter der Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (FARC) sein.

Dem widerspricht der Chefredakteur der kolumbianischen Wochenzeitung »Voz«, Carlos Lozano. »Joaquín Pérez Becerra ist kein Terrorist. Er ist nicht einmal Mitglied der FARC, wie es Geheimdienste und Regierung Kolumbiens das Land und die Welt glauben machen wollen.« Tatsächlich sei der Journalist Chefredakteur der alternativen Nachrichtenagentur ANNCOL. »Man kann mit dem Stil von ANNCOL oder einigen ihrer Veröffentlichungen nicht einverstanden sein, aber das macht ihren Direktor nicht zum Terroristen oder FARC-Mitglied. ANNCOL verbirgt ihre Sympathie für die Guerillagruppe nicht und hat jedes Recht dazu, denn das ist die freie Meinungsäußerung.«

Pérez Becerra hatte Kolumbien vor mehr als 20 Jahren verlassen, nachdem er dort als Mitglied der legalen Linkspartei Patriotische Union (UP) Ziel von Morddrohungen und Übergriffen geworden war. Seine damalige Frau wurde ermordet. In Schweden lernte er seine neue Lebensgefährtin kennen und nahm die schwedische Staatsangehörigkeit an, als er mit dieser Vater eines Kindes wurde. Entsprechend haben schwedische Regierungsstellen bereits in Venezuela interveniert, um eine Auslieferung ihres Staatsbürgers an Kolumbien zu verhindern.

Der regierungsnahe venezolanische Gewerkschaftsbund UNETE forderte »im Namen der Arbeiterklasse und der klassenbewußten Gewerkschaftsbewegung Venezuelas« die sofortige Freilassung des Journalisten. »Diese Verhaftung und der Inhalt der nur dem Yankee-Imperialismus und seinen Lakaien dienenden Erklärung der venezolanischen Regierung, die eine verurteilende Haltung eingenommen hat und einen revolutionären Aktivisten als Terroristen und Kriminellen bezeichnet, stehen vollkommen im Gegensatz zur befreienden und antiimperialistischen Hoffnung des bolivarischen Prozesses«, so der Gewerkschaftsbund.

Ohne Erfolg blieben Bemühungen von hochrangigen regierungsnahen Politikern wie dem Parlamentsabgeordneten und Vorsitzenden der Kommunistischen Partei Venezuelas, Oscar Figuera, und dem PSUV-Führungsmitglied Amilca Figueroa, am Sonntag mit dem Verhafteten zu sprechen. Der »Bolivarische Geheimdienst« SEBIN beschied den Politikern, der Verhaftete befinde sich in Isolationshaft. Auch nach vierstündiger Wartezeit wurden die Repräsentanten nicht zu dem Journalisten vorgelassen. Daraufhin riefen sie für den heutigen Montag um 10.30 Uhr Ortszeit zu einer Protestkundgebung vor dem SEBIN-Sitz in Caracas auf.


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