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Venezuela aktuell

Verdächtiger Krebs
Venezuela
Geschrieben von: Modaira Rubio, Caracas   
Donnerstag, den 29. Dezember 2011 um 15:37 Uhr

RedGlobe - Bilanz 2011Dass ein Staats- oder Regierungschef an gesundheitlichen Problemen leidet, ist weltweit nichts ungewöhnliches. So gab es in Europa mehrere Fälle, die mit der gebotenen Diskretion behandelt wurden, ohne dass sich daran eine öffentliche Diskussion entfesselt hätte. Anders ist die Lage jedoch in Lateinamerika, wo sich derzeit Veränderungsprozesse vollziehen, die eine Konfrontation mit dem alten kolonialistischen Modell beinhalten, den Kontinent als Hinterhof Washingtons zu betrachten.



Das zeigte bereits der Fall des venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez. Mit seiner Führungsrolle ist zu einem guten Teil das Schicksal der Bolivarischen Revolution verknüpft. Deshalb ist seine Erkrankung von der internationalen Presse mit großer Aufmerksamkeit verfolgt worden. Ihm gelang es mit Hilfe der ärztlichen Hilfe der kubanischen Regierung ohne Zeitverzug, die Krankheit zu besiegen, so dass er gut gerüstet ist, die Führung der Regierung und den bevorstehenden Wahlkampf zu seiner Wiederwahl 2012 zu schultern. In den Umfragen liegt er weiter bei 60 Prozent der Wählerpräferenz.

Schon zuvor hatte es in Südamerika einen anderen Fall gegeben, den des paraguayischen Präsidenten Fernando Lugo, dessen Wahl den Bruch mit der Vergangenheit seines Landes bedeutete. Durch sie brach Paraguay mit dem schlimmen Erbe der proimperialistischen Stroessner-Diktatur. Während seiner Genesungszeit kritisierte der damalige paraguayische Verteidigungsminister Luis Bareiro Spaini die Verwicklung der US-Botschaft in einen Komplott zum Sturz Lugos.

Im Oktober 2011 wurde bekannt, dass auch der frühere brasilianische Staatschef Lula da Silva an Krebs erkrankt ist. Auch wenn dieser nicht mehr Präsident seines Landes ist, war und bleibt er eine Schlüsselfigur für die kontinentale Geopolitik und deren neuer strategischer Allianzen wie der Lateinamerikanischen und Karibischen Staatengemeinschaft (CELAC). So hatte Chávez den Brasilianer als Sekretär der Union Südamerikanischer Nationen (UNASUR) vorgeschlagen. Als seine Krankheit und die günstigen Heilungsprognosen bekanntwurden, scherzte der venezolanische Präsident, man müsse nun eine "CELAC der Sieger über den Krebs" gründen.

Als in dieser Woche jedoch bekanntwurde, dass auch die argentinische Präsidentin Cristina Fernández an Schilddrüsenkrebs leidet und sich am 4. Januar einem Eingriff unterziehen muss, verging den Politikern das Scherzen.

Speziell im Fall der Erkrankung Chávez' spekulierten einige Analysten über die Möglichkeit, dass die Krankheit von außen verursacht worden sein könnte. Niemand bestätigte diese These, und auch aus der Regierung wurden derartige Kommentare vermieden. Nach Bekanntwerden der Erkrankung seiner argentinischen Amtskollegin war es nun jedoch Chávez selbst, der warnte, es sei nach dem Gesetz der Wahrscheinlichkeit nur schwer zu erklären, was einigen Führungspersönlichkeiten Lateinamerikas derzeit passiere. Es würde ihn nicht überraschen, wenn es eine Technik gäbe, jemanden von außen mit Krebs anzustecken, so der venezolanische Staatschef. Dabei bezog er sich auf die Fälle von Lugo, Lula, dessen Amtsnachfolgerin Dilma Rousseff - die erkrankte, als sie Kandidatin für die Nachfolge Lulas warm seine eigene Lage und nun die Situation von Fernández. "Wir müsse auf Evo Morales und Rafael Correa aufpassen", sagte er.

Für einige Medien leidet Chávez an einer "Paranoia", wenn er darauf hinweist, dass die Welle von Krebserkrankungen von den Laboratorien des Imperialismus verursacht worden sein könnte, um eine Fortsetzung des Unabhängigkeitskurses Lateinamerikas zu verhindern. Doch Lateinamerika ist eine Region, in der die USA über Jahrzehnte hinweg immer wieder "unbequeme" Staatschefs eliminiert habe. Erinnert sei an Salvador Allende in Chile, Maurice Bishop in Grenada, der merkwürdige Unfall, bei dem Panamas Präsident Manuel Torrijos starb, und die unzähligen erwiesenen Mordversuche an Fidel Castro. Deshalb ist notwendig, darüber nachzudenken, ob wir Zeugen einer Einmischung des Imperialismus in die inneren Angelegenheiten Lateinamerikas  auf anderem Weg sind.

 

 

Kommentare 

 
+1 #1 2012-01-01 22:43
Die imperialistisch e Gehirnwäsche in Europ - und vor allem in Deutschland - zeigt Wirkung. Vermutungen und Überlegungen in eine solche Richtung werden als Hirngespinst, als Schwachsinn abgetan. Fakt ist jedoch, dass ein schwindender Einfluss Nordamerikas auf seinem Hinterhof schlimm für die USA wären. Ich bin fest davon überzeugt, dass die USA mit ALLEN Mittel versuchen werden mißliebige Regierungen wie in Venezuela auszuschalten.
Tatsache ist, dass derzeit in GANZ Südamerika eine abnormale Häufung an Krebsfällen registriert wird. Alleine in der peruanischen Hauptstadt Lima wurde i.d. letzten 3 Jahren eine Zunahme von über 35% registriert. Mich würde es nicht wundern, wenn die USA auch Opfer unter der Zivilbevölkerun g in Kaufnehmen um ihre schmutzigen Ziele durchzusetzen.
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