| Geheuchelte Empörung über Internet-Zensur | | Drucken | |
| Beijing 2008 |
| Sonntag, den 03. August 2008 um 20:15 Uhr |
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Wenige Tage vor Beginn der Olympischen Sommerspiele in Beijing überbieten sich die deutschen Journalisten in ihrer Empörung darüber, dass China den Zugriff auf bestimmte, von den chinesischen Behörden als gesetzwidrig erachtete Internet-Seiten unterbindet. Auch wir lehnen Zensur ab - sowohl in China als auch hier. Während uns die Damen und Herren Sportreporter weismachen wollen, dass sie keine Berichte über die Wettkämpfe in Beijing fabrizieren können, wenn sie nicht Seiten wie "Free Tibet" u.ä. anklicken können, vergessen sie in ihrer Empörung, dass hierzulande seit Anfang des Jahres die Verbindungsdaten aller Internet-Nutzer auf Vorrat gespeichert werden. Auch hier ist der Besuch bestimmter Seiten verboten und darf auch nicht alles veröffentlicht werden, was jemandem in den Sinn kommt.
Diese Ansicht teilt auch IOC-Vertreter Kevan Gosper, der gestern in Beijing vor Medienvertretern betonte, in jedem Land gebe es in verschiedenem Ausmaß Internet-Kontrolle, wobei Pornosites und Websites, die staatliche Interessen gefährden, gesperrt würden. Es sei durchaus in Ordnung, wenn während der Spiele die Online-Berichterstattung ausländischer Medien in China gewährleistet werde, so Gosper weiter. Die deutsche Bundesregierung hat erst vor wenigen Wochen einen kurdischen Fernsehsender verboten, die Türkei sorgte für die Abschaltung eines nicht-kommerziellen Fernsehsenders (siehe hier), Kolumbien sorgt regelmäßig für die Abschaltung regierungskritischer Internet-Seiten und so weiter und so fort, aber die deutschen Nachrichten stürzen sich auf China. Darauf reagierte der chinesische Präsident Hu Jintao bei einer internationalen Pressekonferenz mit den Worten: "Wir vertreten die Ansicht, dass eine Politisierung der Olympischen Spiele nicht zur Lösung der politischen Fragen beiträgt. Ein solches Vorgehen widerspricht nicht nur dem Olympischen Geist, sondern auch dem gemeinsamen Wunsch der Völker der Welt. Nicht zuletzt stört ein solches Vorgehen auch die Entwicklung der Olympischen Bewegung. Wir hoffen, die Olympiade in Beijing zu einem großen Sportfest für die ganze Welt zu machen, durch das sich der Olympische Geist entfalten kann." Quellen: Radio China International, china.org.cn / RedGlobe Neuere Artikel:
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