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"Linke"-Abgeordneter fordert Olympia-Boykott | Drucken |  E-Mail
Beijing 2008
Montag, den 04. August 2008 um 14:17 Uhr
Der für die Partei "Die Linke" im Bundestag sitzende Wolfgang Neskovic, rechtspolitischer Sprecher seiner Fraktion, fordert heute im Berliner "Tagesspiegel" einen Boykott der am Freitag beginnenden Olympischen Spiele in Beijing. Er erinnert an den Boykott der Olympischen Spiele 1980 in Moskau und zeigt Verständnis für den damaligen Boykott westlicher und islamischer Länder: "Ein Land, dessen Führer sich für Kommunisten halten, das wegen schwerer Menschenrechtsverletzungen in der Kritik steht, gewinnt die Bewerbung um die Olympischen Spiele. Das wird von vielen mit der Hoffnung auf stärkere Beachtung der Menschenrechte verbunden. Die Erwartungen werden jedoch enttäuscht, als das Land in einem Nachbarstaat militärisch interveniert, und plötzlich werden Stimmen laut, die einen Boykott der Spiele fordern. So geschehen im Umfeld der Olympischen Spiele in Moskau 1980."

Die Motive des damaligen Boykotts werden von Neskovic nicht hinterfragt. Statt dessen kritisiert er lediglich damalige "Fehler", nämlich von den Sportlern das größte Opfer abzuverlangen, das ein Sportler bringen kann. Deshalb habe der Westen "im Pokerspiel um die Funktion der Spiele ein schlechtes Blatt in der Hand", so Neskovic mit Blick auf die Sperrung bestimmter Internet-Seiten in China. "Für den Westen liegt diese Funktion (auch) in der Verbreitung der Menschenrechte, für China als Gastgeber liegt sie in der Ausweitung seines internationalen Ansehens." Solche Argumente hören wir normalerweise nur von Politikern anderer Parteien - und sie führen oft genug zur "Durchsetzung der Menschenrechte" durch Bomben wie in Jugoslawien, Irak, Afghanistan,...

Doch Neskovic fordert: "Das deutsche NOK sollte sich sofort zu einer anderen, einer modernen Form des Boykotts durchringen. Zu einem Boykott, der die Fehler von 1980 vermeidet – indem er genau diejenigen ein Zeichen setzen lässt, von denen man es auch erwartet: Funktionäre und Politiker. In der Praxis würde das bedeuten: Sportler, Trainer und Teambetreuer fliegen nach Peking, alle sonstigen offiziellen Repräsentanten – Sportfunktionäre und Vertreter aus Politik und Wirtschaft – halten sich fern. Wenn China die olympische Idee auf einen reinen Sportwettkampf reduzieren möchte, so muss der Westen dafür sorgen, dass das Ereignis nicht mehr als sportliches Prestige verschaffen kann. Der politische Prestigegewinn bleibt aus, wenn die Politiker ausbleiben. Das würde dem olympischen Gedanken ebenso wie der Bedeutung der Menschenrechte gerecht werden."

Mit dieser Position widerspricht Neskovic den Äußerungen seiner eigenen Fraktionskollegen. So erklärte bereits im März der Menschenrechts-Obmann der Linksfraktion, Michael Leutert: "Forderungen nach einem Boykott der Olympischen Spiele lehnt Die Linke ab". Eine solche Maßnahme würde die Fronten nur weiter verhärten und damit den Menschen in der Region Tibet schaden, argumentierte Leutert, und weiter: "Die Geschichte der Olympischen Spiele zeigt, dass mit einem Boykott nichts erreicht werden kann. Bereits während des Kalten Kriegs war er lediglich Ausdruck der Konfrontation ohne politische Folgen. Ein Boykott der Spiele in Peking bringt daher die Gefahr mit sich, dass die Bereitschaft der chinesischen Führung zum Dialog in Menschenrechtsfragen abnimmt."

Auch die Erste Parlamentarische Geschäftsführerin der Fraktion, Dagmar Enkelmann, sagte im März: "Die ganze Diskussion um einen möglichen Boykott der olympischen Spiele in Peking ist verlogen und scheinheilig. Natürlich würde ein Fernbleiben von den Spielen dem chinesischen Regime einen herben Schlag versetzen. Ein Schlag, von dem sich das Riesenreich allerdings bald wieder erholen würde. (...) Diskussionswürdig wäre ein solcher Boykott nur dann, wenn die Bundesregierung ihrerseits die chinesischen Diktatoren unter Druck setzen und die Milliarden-Geschäfte deutscher Unternehmen mit Peking stoppen würde. Ein solches Vorgehen würde das dortige Regime wesentlich härter treffen. Denn China ist nach den USA für Deutschland der zweitwichtigste Exportmarkt außerhalb der EU. Im Jahr 2006 erreichte das deutsch-chinesische Handelsvolumen 76,27 Milliarden Euro nach 62,08 Milliarden Euro 2005. Solche Maßnahmen sind von einer neoliberalen Bundesregierung allerdings nicht zu erwarten. (...) Es ist schon bezeichnend, dass beim Ausbau der Wirtschaftsbeziehungen in den vergangenen Jahren Chinas Vorgehen im Tibet offenbar nicht gestört hat.“

Quellen: Der Tagesspiegel, Fraktion Die Linke / RedGlobe

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