| Antifaschistische Solidarität mit Bolivien in Berlin | | Drucken | |
| Berlin |
| Donnerstag, den 07. August 2008 um 11:14 Uhr |
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Mehr als 100 Menschen beteiligten sich gestern im Berliner "Kato" an einer Diskussions- und Solidaritätsveranstaltung über Bolivien, an der sich am Nationalfeiertag des Andenstaates der bolivianische Botschafter Walter Prudencio Magne Veliz, der frühere DDR-Ministerpräsident Hans Modrow, VVN-Bundessprecher Gerhard Fischer und der Journalist André Scheer beteiligten. Angesichts der zugespitzten Situation fragte Maren Cronsnest, die für das Aktionsbündnis für Venezuela und die Chile-Freundschaftsgesellschaft Salvador Allende e.V. die Diskussion leitete, vor allem nach der deutschen Einmischung in Bolivien, sei es in der Vergangenheit durch Altnazis wie Klaus Barbie oder heute durch die Stiftungen der deutschen Bundestagsparteien.
Während Fischer schilderte, wie 1945 Nazis nach Südamerika geschleust worden waren, schilderte Botschafter Magne Veliz, wie der "Schlächter von Lyon", Klaus Barbie - der erst 1983 von Bolivien an Frankreich ausgeliefert wurde - den Diktatoren Hugo Banzer und Luis García Meza als Berater für die Unterdrückung der demokratischen Opposition diente. Scheer wies auf die Kontinuität faschistischer Aktivitäten in Bolivien bis heute hin. So zeigen Mitglieder der rechtsextremen "Cruceñistischen Jugendunion", der Stoßtrupp der reaktionären Kräfte in Santa Cruz, bei ihren Aktionen offen Hakenkreuze und den Hitlergruß. Hans Modrow erläuterte am Beispiel Chiles, wie die deutschen Parteistiftungen in Lateinamerika die ihnen gesetzlich eingeräumten Freiräume ausnutzen, um ihnen nahestehende Kräfte in den jeweiligen Ländern zu unterstützen. Verschleiert werden diese Aktivitäten dann als Bildungsarbeit. In diesem Zusammenhang äußerte er auch den Wunsch, dass die der Partei "Die Linke" nahestehende Rosa-Luxemburg-Stiftung bei ihren Aktivitäten in Lateinamerika ihrer Namensgeberin gerechter werden möge. In der Diskussion richteten zahlreiche Besucherinnen und Besucher an den Botschafter Magne Veliz die Frage, ob in Bolivien mit einem Militärputsch zu rechnen sei und wie es nach dem Referendum über eine vorzeitige Abberufung des Präsidenten und der Provinzgouverneure am kommenden Sonntag in dem Land weitergehen werde. Der Diplomat betonte, die Regierung des Präsidenten Evo Morales habe die strategische Entscheidung getroffen, sich nicht auf die Spirale der Gewalt einzulassen, die von den rechten Gruppen in Gang gesetzt werden soll. "Wir haben uns für die Wahlurnen und nicht für die Waffen entschieden", betonte er und verwies auf die Anwesenheit zahlreicher internationaler Wahlbeobachter, die am Sonntag die Abstimmung überwachen werden. Deshalb halte er die Wahrscheinlichkeit von Wahlfälschungen und Manipulationen auch für gering. Auch die Gefahr eines Staatsstreiches durch das Militär verneinte er. Die Regierung habe drei Generationen hoher Offiziere abgelöst und so einer neuen Generation den Zugang zu hohen militärischen Positionen ermöglicht. Die Soldaten der bolivianischen Armee gingen von einem positiven Nationalbewußtsein aus, wozu gerade auch die Einheit des Landes gehöre. Diese Einheit werde aber gerade von der rechten Opposition gefährdet. Es sei den Streitkräften bewußt, dass ihre Aufgabe heute andere seien, als gegen die gewählte Regierung zu putschen, "auch wenn einige lautstark an die Tore der Kasernen klopfen". Während der Veranstaltung kursierte eine Unterschriftenliste zur Solidarität mit Bolivien, die von der großen Mehrzahl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer unterzeichnet wurde. Neuere Artikel:
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