RedGlobe RSS-Feed

Translate RedGlobe

BesucherInnen:

Heute:5783
Gestern:6376
Seit 1. Juni 2005:11626414

junge Welt

redblog

UZ - Unsere Zeit

Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend

Zeitung vum Letzeburger Vollek

»Sie waren gewarnt« - Proteste gegen Räumung eines Berliner Wohnprojektes | Drucken |  E-Mail
Berlin
Donnerstag, den 03. Februar 2011 um 10:29 Uhr

Liebigstr. 14 vor der RäumungIn den frühen Morgenstunden des gestrigen Mittwoch begannen Einheiten der Polizei das Stadtviertel rund um die Liebigstr. 14 in Berlin weiträumig abzusperren. Trotz Anweisung durch das Landgericht am Dienstagabend, kam der Gerichtsvollzieher der Aufforderung, im erklärten Einverständnis mit den BewohnerInnen das Haus zu besichtigen, um sich von der Rechtsunwirksamkeit der ausgestellten Räumungstitel zu überzeugen, nicht nach. »Offensichtlich ging es Senator Körting darum, einen bereits angeordneten Polizeieinsatz mit allen Mitteln durchzusetzen – auch gegen geltende Gesetze«, kritisiert deshalb einer der geräumten Bewohner.

Den ganzen Tag über fanden im gesamten Stadtgebiet vielfältige Protestaktionen gegen die Räumung statt. Nicht nur in Friedrichshain-Kreuzberg, sondern auch in Schöneberg und Neukölln fanden mehrere Demonstrationen, Flashmobs und Kunstaktionen statt. Die Ringlinie der Berliner S-Bahn beispielsweise nutzten AktivistInnen um mit Sesseln, Sofas und anderem Interieur auf die Problematik der Mietverdrängung aufmerksam zu machen.

Die BewohnerInnen der Liebigstr. 14 drängten bis zum Schluss auf Verhandlungen, wurden jedoch von der Berliner Politik ignoriert. Trotz öffentlicher Äußerungen, man wolle ein Ersatzobjekt zur Verfügung stellen – insbesondere Schulz (Grüne) und Zimmermann (SPD) – wurde dem Kulturprojekt ein solches Angebot nicht gemacht.

Die außerordentlich große Demonstration, welche am Abend am Boxhagener Platz startete, machte deutlich, dass tausende Menschen die Ignoranz der Stadtpolitik, die Selbstherrlichkeit Körtings und seiner uniformierten Schergen satt haben. »Wir wollten eine friedliche Lösung. Mit einer Räumung durch Spezialeinheiten und mehrere tausend Cops hat sich das erledigt. Sie wurden gewarnt. Nun ist es an uns die Stadtentwicklung in unsere eigenen Hände nehmen. Ständig steigende Mieten? Stahl, Glas und Beton überall? Nicht mit uns! Designershops, Luxuslofts, staatliche Institutionen – wir kommen!« hieß es in einem spontan über Megaphon gehaltenen Redebeitrag.

Nachdem die Demonstration aufgrund massiver Auseinandersetzungen zwischen TeilnehmerInnen und Polizeikräften auf der Warschauer Straße aufgelöst wurde, zogen mehr als eintausend wütende Menschen Richtung Mitte. Gezielt wurden dabei schicke Ladengeschäfte, Einrichtungen und Werbeflächen der BVG sowie Polizeifahrzeuge angegriffen. Nach Ansicht der geräumten BewohnerInnen haben diese Eskalation Berliner PolitkerInnen und die Polizei zu verantworten. Ihr einziges Ziel sei, »den privaten Profit einer einzelnen Immobiliengesellschaft mit aller Gewalt durchzusetzen«, heisst es in einer Pressemitteilung. »Wir werden laut sein und weiter für eine bunte und vielfältige Stadt kämpfen. Körting und alle die Profit mit Verdrängung machen, können sich warm anziehen«, kündigt eine ehemalige Bewohnerin wütend an.

Quelle: Liebig 14 forever / RedGlobe


Verwandte Artikel:
Neuere Artikel:
Ältere Artikel: