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Protest gegen evangelikalen Kongress in Marburg | Drucken |  E-Mail
Hessen
Donnerstag, den 30. April 2009 um 12:12 Uhr
Vom 20. bis 24. Mai soll in Marburg der »6. Internationale Kongress für Psychotherapie und Seelsorge« stattfinden. Dahinter versteckt sich eine Veranstaltung evangelikaler Gruppierungen, die unter dem Motto »Begegnung zwischen Psychotherapie und christlicher Seelsorge in Wissenschaft und Praxis« über hundert Workshops anbieten wollen, die sich unter anderem mit Themen aus dem Bereich Sexualität und Identität beschäftigen. Unter dem Deckmantel der Wissenschaft verbreiten einzelne ReferentInnen dabei ein konservatives Bild von der heterosexuellen Ehe als einzigem Lebensmodell und stigmatisieren Homosexualität als krankhaft und nicht erwünscht.

Die Kongressworkshops sollen in öffentlichen Räumen wie dem Hörsaalgebäude der Universität, der Stadthalle und der Martin-Luther-Schule Platz finden. Nora Nebenberg vom Bündnis »Kein Raum für Sexismus, Homophobie und religiösen Fundamentalismus«, einem Zusammenschluß von queeren, feministischen, antisexistischen und antifaschistischen Gruppen, kritischen WissenschaftlerInnen und Einzelpersonen u.a. aus Marburg und Kassel, kritisiert: »Es ist ein Skandal, dass die Stadt Marburg sowie die Universität solchen reaktionären Veranstaltungen und christlichem Fundamentalismus eine Bühne bieten. Wir fordern Stadt und Uni auf, dem Kongress keinerlei Räume zu Verfügung zu stellen«.

Evangelikale sind eine konservative Strömung innerhalb des Protestantismus, die sich durch fundamentalistische Bibelauslegung, Absolutheits- und Missionierungsanspruch auszeichnet und nach gesellschaftlichem Einfluss strebt. Dazu gehört die Behauptung, dass Homosexualität eine Krankheit und »heilbar« sei. Homosexuelle sollen in »Therapien« »umgepolt« werden.

Als Reaktion auf die Proteste hat sich nun eine »Initiative für Freiheit und Selbstbestimmung« gegründet, die den Kongress gegen Kritik in Schutz nehmen will. Unterstützt wird diese Initiative, die laut Hartmut Rus vom Lesben- und Schwulenverband die »Crème de la Crème der Homohasser« vereint, von ultrarechten Publikationen wie der »Jungen Freiheit« oder der als homophob und antisemitisch kritisierten christlich-fundamentalistischen Internetseite »kreuz.net«, von der sich sogar Radio Vatikan distanziert.  

Zu den Unterstützern dieser Initiative gehört auch der CSU-Bundestagsabgeordnete Norbert Geis, der sich bereits im Jahr 2000, während der Diskussion um die sogenannte »Homo-Ehe«, in einem Artikel unter der Zwischenüberschrift »Die Perversion beim Namen nennen« zu der Forderung verstieg, es sei »an der Zeit, dass diese Lebensform [Homosexualität] endlich auch in der Öffentlichkeit als das bezeichnet wird, was sie ist: die Perversion der Sexualität. Die Aufdringlichkeit, mit der sich Homosexuelle öffentlich prostituieren, ist nur noch schwer zu ertragen. Sie lassen jede Scham vermissen. Der Verlust der sexuellen Scham aber ist immer ein Zeichen von Schwachsinn, wie es Freud formuliert hat. Deshalb muss in der Öffentlichkeit Widerspruch laut werden, damit der Schwachsinn nicht zur Mode wird.«

Nora Nebenberg kommentiert die Aktivitäten der Initiative mit den Worten: »Dazu gibt es nichts mehr zu sagen. Wenn sich solche Persönlichkeiten wie Norbert Geis oder Publikationen der Neuen Rechte wie die Junge Freiheit hinter den Kongress stellen, sehen wir uns in unserer Kritik erst recht bestätigt.«

Die Homepage des Bündnisses »Kein Raum für Sexismus, Homophobie und religösen Fundamentalismus« ist zu erreichen unter http://noplace.blogsport.de

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