| Blaues Symbol der Hoffnung | | Drucken | |
| Kultur |
| Sonntag, den 15. März 2009 um 20:30 Uhr |
|
Kleine Kinder in einem großen Orchester. Jugendliche, die sich die Seele aus dem Leib spielen. Am Pult der Ausnahme-Dirigent Gustavo Dudamel, der es schon mit gerade einmal 20 Jahren zu Weltruhm gebracht hat und den selbst Urgesteine wie Simon Rattle in den höchsten Tönen loben. Unter dem Eindruck dieser Bilder, die ein Beamer zur fünften Symphonie von Beethoven an die Leinwand wirft, erzählt Ihre Exzellenz, die Botschafterin der Bolivarischen Republik Venezuelas, Blancanieve Portocarrero, eine Gänsehautgeschichte: den Aufstieg eines kleinen, armen Jungen aus den Slums zu den Pulten der bedeutendsten Orchester der Welt.
Dudamel habe als Kind an einem Programm teilgenommen, das in ihrem Heimatland nur »El Sistema« genannt wird. Ein System, das Kinder mit Musik aus Armut und Kriminalität herausführt, entwickelt vom mittlerweile betagten Maestro José Antonio Abreu, der für sein Lebenswerk mit unzähligen Preisen geehrt wurde. Durch die Förderung von Präsident Hugo Chávez wurde »El Sistema« zum Staatsprogramm, das ausnahmslos jedem Kind eine musikalische Bildung verschafft, und, wie die Botschafterin einem gerührten Publikum im vollen Saal des Berliner »Pfefferwerks« erläutert, ein Meilenstein in der Bekämpfung der Armut sei. Immerhin, so dozierte der emeritierte Professor Jürgen Rochlitz kurz zuvor, sei die absolute Armut in Venezuela unter Chávez nahezu vollständig abgeschafft, die relative Armut in nur kurzer Zeit von über 70 auf unter 30 Prozent gesenkt worden. Gleichzeitig wachse in den Vereinigten Staaten die Armut in einem nie gekannten Ausmaß - 35 Millionen Menschen hungern im reichsten Land der Erde, Tendenz steigend. Kein Wunder, so der ehemalige Bundestagsabgeordnete. Die Ausgaben der Vereinigten Staaten für den Irak-Krieg seien ins Unermessliche gestiegen. »Krieg und Armut sind zwei Seiten der gleichen Medaille«, folgert der eloquente Wissenschaftler. Sein viel gefragter Kollege, Dr. Peter Strutynski vom Friedensratschlag Kassel, erläutert eine besonders grausame Variante des letzten Völkerrechtsbruchs der USA. Eine private Söldnertruppe mit Namen »XE« (vorher bekannt als Blackwater), gegründet von dem Milliardärssohn Erik Prince, verrichtet außerhalb jeglichen Gesetzeskontextes einen Teil der Drecksarbeit in dem besetzten Zweistromland. »Blackwater ist berüchtigt für Mord, Terror und brutale Verhöre. Die Methoden dieser Unrechtsfirma sind derart krude, dass die irakische Regierung ihr den künftigen Aufenthalt im Land verwehrt hat.« Der Berliner Stiftung »ethecon« war »dieses menschenverachtende Gebären einer privaten ,Sicherheitsfirma« den Black Planet Award wert - ein billiger Plastikglobus aus einem Kaufhaus, der von einem Jugendlichen mit schwarzer Farbe beschmiert wurde. Der Schmähpreis wird im April anlässlich eines internationalen Kongresses gegen Blackwater in Illinois übergeben. Anders der Blue Planet Award: Die von dem berühmten ZERO-Künstler Otto Piene handbemalte Glasscheibe auf einem Holzsockel sollte eigentlich stellvertretend an Botschafterin Portocarrero überreicht werden. Diese jedoch war so gerührt von der »großen Auszeichnung«, dass sie spontan eine Einladung an die AktivistInnen von ethecon ausgesprochen hatte, das »blaue Symbol der Hoffnung« in Caracas persönlich dem Maestro Abreu und dem Präsidenten Chavez zu übergeben. Sehr zur Freude des Stiftungsvorsitzenden Axel Köhler-Schnura, studierter Ökonom, Konzernkritiker und Publizist. In seiner Abschlussrede betonte er: »Eine andere Welt ist nicht nur möglich, sondern auch nötig.« Die Zeit drängt, zitierte er aus dem Grußwort der indischen Ökofeministin Vandana Shiva, die den Blue Planet Award im letzten Jahr erhalten hat. Und die Botschafterin fügte unter dem Eindruck von Beethovens Fünfter hinzu: »Die Sprache der Musik ist international. Und die Hoffnung auf ein Leben in sozialer Sicherheit auf einem intakten blauen Planeten möge die ganze Menschheit bewegen.« Hubert Ostendorf, ethecon Neuere Artikel:
Ältere Artikel:
|


