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Zeitung vum Letzeburger Vollek

Medienkrawall um junge Welt-Konferenz | Drucken |  E-Mail
Medien
Mittwoch, den 05. Januar 2011 um 12:04 Uhr

Bild, 5.1.2011Wenige Tage vor der am Sonnabend in Berlin stattfindenden und auch von RedGlobe unterstützten Rosa-Luxemburg-Konferenz der Tageszeitung junge Welt herrscht in rechtsextremen und bürgerlichen Medien helle Aufregung. Die Chefin der Partei Die Linke, Gesine Lötzsch, wolle sich mit einer »Terroristin« - das ehemalige RAF-Mitglied Inge Viett - und der DKP-Vorsitzenden Bettina Jürgensen auf ein Podium setzen, um über »Wege zum Kommunismus« zu diskutieren. In der heutigen Ausgabe der »Bild« schafft es die geheuchelte Empörung sogar bundesweit auf die Titelseite: »Linke-Chefin erklärt Kommunismus zum Partei-Ziel«. Dabei beruft sich das Blatt auf einen Artikel von Lötzsch, der am vergangenen Montag in der jW erschien (online unter www.jungewelt.de).

Dieser Beitrag unter der Überschrift »Wege zum Kommunismus« - dem Titel der Podiumsdiskussion am kommenden Sonnabend - war zuerst der Onlineausgabe der ultrarechten »Jungen Freiheit« aufgefallen. Ausgerechnet dieses Blatt nutzte daraufhin der innenpolitische Sprecher der CDU-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus. Robbin Juhnke, zum Wettern: »Der Auftritt Lötzschs bei diesem Stelldichein der Ewiggestrigen ist ein Skandal und zeigt, daß die Linkspartei eindeutig nicht auf dem Boden der freiheitlichen demokratischen Grundordnung steht«.

Dankbar für solche Stichwortgeber zeigte sich prompt »Spiegel Online«, das am Dienstag abend mit der Übetrschrift »Linke-Chefin erklärt Kommunismus zum Ziel der Partei« loslegte, dabei jedoch mal eben die DKP-Chefin zum (männlichen) Vorsitzenden erklärte. Nach Hinweisen von Lesern heisst es in dem Beitrag nun: »Nicht nur der Text ist für die Partei ein Skandal, auch das Umfeld der Veröffentlichung: Er wurde gedruckt im Marxisten-Blatt "Junge Welt" - als Vorabdruck einer Rede, die Lötzsch am 8. Januar halten will, auf einem Sektierer-Kongress in Berlin, auf dem auch ein hohes DKP-Mitglied und die Ex-Terroristen Inge Viett sprechen werden. Thema: "Wo bitte geht's zum Kommunismus?"« Bei so viel Unsinn fällt fast gar nicht auf, dass der Text eben kein »Vorabdruck einer Rede« war, sondern ein Essay zur Vorbereitung der dortigen Podiumsdiskussion. Und das Lötzsch in ihrem Artikel mit rotem Vokabular reformistischer Politik das Wort redet, fällt dem wutschäumenden Autoren gar nicht auf. Hätte der Autor Lötzschs Artikel zu Ende gelesen, wäre ihm vielleicht dieser Absatz aufgefallen: »Wenn Kommunismus das Gemeinschaftliche betont und der Liberalismus den einzelnen, dann wollte Rosa Luxemburg beides zugleich – höchstmögliche Gemeinschaftlichkeit bei der Kontrolle darüber, daß Eigentum und Macht im Interesse aller gebraucht werden, und größtmögliche Freiheit individueller Entfaltung, radikaler Kritik und Öffentlichkeit. Eine Gesellschaft ohne Freiheit wäre für sie nur ein neues Gefängnis gewesen, so wie ihr eine Gesellschaft ohne Gleichheit immer nur eine Ausbeutergesellschaft war. Sie forderte die Herrschaft des Volkes über Wirtschaft und Gesellschaft genauso ein wie die Freiheit des Andersdenkenden. Sie war radikale demokratische Sozialistin und konsequente sozialistische Demokratin. Deswegen konnte der sowjetische Parteikommunismus sich am Ende genausowenig mit ihr versöhnen wie der bürgerliche Liberalismus. Beide wurden durch sie provoziert und lehnten sie letztlich ab. Und genau deswegen ist sie für die Partei Die Linke eine der wichtigsten Bezugspersonen in der Geschichte der Arbeiterbewegung.«

Der Saarländische Rundfunk kopiert gleich die unkorrigierte Version des »Spiegel«-Beitrags: »Linken-Chefin Lötzsch hat den Kommunismus zum Ziel ihrer Partei erklärt. Die Forderung steht nach Informationen des Magazins "Spiegel" im Manuskript für eine Rede, die Lötzsch am 8. Januar auf einem Kongress in Berlin halten will. (...) Bei dem Kongress sollen auch der Vorsitzende der DKP und die ehemalige RAF-Terroristin Inge Viett sprechen.«

Noch weniger lässt sich »Welt Online« von Fakten irritieren und macht aus der Rosa-Luxemburg-Konferenz »Lötzschs Teilnahme an einer Veranstaltung der Linke-nahen Rosa-Luxemburg-Stiftung am Wochenende«. Einmal den Namen Rosa Luxemburg gegoogelt und Zeilenhonorar kassiert, oder was?

Die Onlineausgabe der »Thüringer Allgemeine« kommentiert: »Die Ramelows der Linken wollen die Partei regierungsfähig machen, Lötzsch spielt sich als die Gouvernante derjenigen auf, die nichts dazugelernt haben, die weiterhin den Kommunismus als ihre Leitkultur begreifen. Die Linkspartei ist auf dem Weg zurück, die Bemühungen eines Ramelow, aus Ost und West eine moderne linke Kraft in Deutschland zu machen, stehen kurz vor dem Scheitern. Zumal Lötzsch in ihrem Artikel offenbar keine Zeile für die grausamen Verbrechen übrig hat, die im Namen des Kommunismus geschehen sind.« Einen Leser brachte dieses Geschreibsel dazu, seinerseits einen Kommentar zu schreiben: »Ich will es gar nicht inhaltlich bewerten. Aber Herr Kaczmarek, wenn Sie einen Kommentar zu einem Artikel schreiben, wäre es sinnvoll, den Artikel selbst gelesen zu haben. Sie haben bei SPIEGEL Online abgeschrieben und ein Satz wie dieser "Zumal Lötzsch in ihrem Artikel offenbar keine Zeile für die grausamen Verbrechen übrig hat, die im Namen des Kommunismus geschehen sind." macht ja deutlich dass sie den Artikel niemals gelesen haben in der Jungen Welt, sonst wüssten sie ob es so ist oder nicht.«

RedGlobe empfiehlt, sich selbst ein Bild zu machen. Zum Beispiel direkt am Sonnabend bei der Rosa-Luxemburg-Konferenz in der Berliner Urania. Weitere Informationen: www.rosa-luxemburg-konferenz.de

 

Kommentare 

 
+1 #15 2011-01-10 02:31
Bedenke bitte auch, dass Wertungen in Geschichtswisse nschaft schon allein durch die Auswahl des Materials vorgenommen werden. Vergiss bitte nicht, dass den Menschen gerecht zu werden, heißt, ihnen keine allgemeine Boshaftigkeit und Menschenveracht ung zu unterstellen.

Es bringt keinem etwas, immer wieder hin und her über einzelne geschichtliche Ereignisse zu diskutieren, wenn sie uns den Blick auf das Morgen verbauen. Einer bestimmten Einstellung weiter anzuhängen, obwohl die Macht hinter dieser Einstellung zerbrochen und sich die eigentlich Mächtigen als moralisch schwach und gebrochen erwiesen haben, fordert viel Kraft und vor allem Konsequenz im eigenen Denken (und kein kleingeistiges "Ewiggestrigsein "). Mit echten und guten Marxisten hatten leider noch nicht alle Deutschen zu tun, sonst gebe es nicht solche Vorurteile.
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-4 #14 2011-01-08 21:07
Zum Thema Kommunismus-Nationalsoziali smus empfehle ich einfach nochmal die international ausgezeichnete Dokumentation: "The Soviet Story"
---> http://www.sovietstory.com
Denke das wird dem ein oder anderen hier das ein oder andere Auge öffnen.
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+7 #13 2011-01-06 07:15
Es tut mir leid, dies hier in aller Deutlichkeit sagen zu müssen: Lenin hat mehr für die abhängig Beschäftigten in seinem Land - und weltweit - erreicht, als alle 68er.
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+5 #12 2011-01-06 07:05
Bildung in einem kapitalistische n System scheint mit notorischer Rechtschreibsch wäche einherzugehen.
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-16 #11 2011-01-05 21:20
Ich bin hier per google nachriten gelandet und wer in den heutigen Zeiten denkt, dass Kommunismus funktioniert kann gerne nach China oder Nordkorea auswandern, da birngt ihnen das Internet auch gar nichts. Wo werden denn momentan Rechts mit Füßen getreten und Menschen massenweise hingerichtet? In islamistischen Staaten und in kommunistischen Staaten, schauen sie in die Welt, es gibt mehr als die DDR und die UDSSR. Wir leiden heute ncoh unter den Nachwirkungen der DDR nebenbei bemerkt.

Die NSDAP war sozialitisch. Die NSDAP hat beispielsweise bezahlten Urlaub eingeführt und die meisten Sozialgesetze basieren auf Nazigesetzen, da regt sich niemand auf, obwohl es direkt von einem unrechts Regime eingefpührt wurde.

Und überhaupt die Ansicht, wenn man kein Kommunist ist hätte man ein falsche WEltbild ist so faschistisch das ist nicht mehr feierlich, hier werden andere Meinungen und Weltansichten nicht mehr toleriert. Faschisten gibt es nicht nur rechts, sondern auch links. Ich bin übrigens Grünewähler, falls sie mich wieder in die Rechte Ecke stellen wollen, ist ja so schön bequem, wenn man ein schwarz-weiß Weltbild hat...

Der Kommunismus hat vor 60 Jahren und auch heute noch zu Millionen Toten und dem Verlust der Freiheit geführt, das kann niemand gut heißen. Außer er ist ein Menschenfeind.
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+4 #10 2011-01-05 20:55
Also, wer behauptet, dass Zitat:
der Nationalsoziali smus auch eine Form des Sozialismus ist
, hat sich mit der Materie offenbar nicht beschäftigt.
Der Faschismus hat sich immer mit den Konzernen verbündet und in Deutschland z.B. nur die Juden enteignet - das hat mit Sozialismus nicht das geringste zu tun (wieder Etikettenschwin del).
Und die Tatsache, dass der Kommunismus vor fast 100 Jahren in Russland nicht funktioniert hat, heißt ja noch lange nicht, dass er heute (in Zeiten des Internets, welches ein großartiges Vehikel für permanente plebiszitäre Demokratie und permanente echte Planwirtschaft darstellt) auch nicht klappen könnte.
Soviel dazu...
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-9 #9 2011-01-05 19:08
Wer sich ein klein bisschen mit der Materie auskennt ;) wird wissen, das der Nationalsoziali smus auch eine Form des Sozialismus ist - soviel dazu.

Die Grundidee des Kommunismus nach M&E ist ja toll, aber bitte: Nenn mir einen einzigen Staat wo das System funktioniert hat und wo es nicht in ein menschenveracht endes System mutiert ist.
Und meinst du wirklich mit der Linken wird natürlich aaaaalles anders und die kriegen natüüürlich den Kommunismus in Reinform zum laufen... ernsthaft?

soviel meine 2 cent, ich genieß jetzt den afrikanischen Sommer und wünsche noch einen schönen Abend.
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-4 #8 2011-01-05 18:25
zitiere Karl Toffel:
schaut euch mal an was Kommunismus und (real existierender- oder national-)Sozialismus angerichtet haben


Ja klar - Kommunisten und Nazis, alles dasselbe...
Wie ich schon schrieb, hat der Stalinismus (und überhaupt der sog. "real-existierende Sozialismus") mit wahrem Kommunismus nicht viel zu tun, sondern war ein m.o.w. dreister Etikettenschwin del (auch wenn zumindest am Anfang viele ehrlich daran geglaubt und sich darum bemüht haben).
Trotzdem war das aber immer noch eine ganz andere Veranstaltung als der Faschismus.
http://misanthrope.blogger.de/stories/1690057/
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-11 #7 2011-01-05 18:15
zitiere txxx666:
"Wer sich auch nur ein kleines Bisschen mit der Materie auskennt, weiß, dass der Kommunismus, wie ihn Marx und Engels beschrieben haben, nichts anderes ist als wahre Demokratie


Allet klar... über die Demokratie im reinen theoretische Konstrukt lässt sich streiten, aber schaut euch mal an was Kommunismus und (real existierender- oder national-)Sozialismus angerichtet haben!!! Sowas darf nie wieder passieren, das kommunistische und/oder sozialistische Systeme die Menschen unterdrücken!! Jeder der solche Ziele verfolgt ist ein Feind der freien Menschheit.
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+3 #6 2011-01-05 17:50
Mein Kommentar dazu bei SpOn und allen anderen künstlich erregten Online-Medien:

"Wer sich auch nur ein kleines Bisschen mit der Materie auskennt, weiß, dass der Kommunismus, wie ihn Marx und Engels beschrieben haben, nichts anderes ist als wahre Demokratie - und das hat mit den Verbrechen des Stalinismus ebensowenig zu tun wie mit den Verbrechen, die heute im Namen der Demokratie begangen werden."

Irgendwelche Einwände?
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