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Ende einer Männerfreundschaft | Drucken |  E-Mail
Medien
Dienstag, den 03. Januar 2012 um 11:05 Uhr

Noch-Bundespräsident Christian Wulff. Foto: Presse- und Informationsamt der Bundesregierung„Wer in der Öffentlichkeit steht, einen öffentlichen gesellschaftlichen Auftrag hat und dem Gemeinwohl verpflichtet ist, muss auch das Interesse der Öffentlichkeit an seinem Verhalten akzeptieren. Auch der Bundespräsident muss sich selbstverständlich kritische Berichterstattung gefallen lassen“, erklärte der Vorsitzende der Deutschen Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju in ver.di), Ulrich Janßen, nach den Berichten über den Wutanruf Wulffs bei „Bild“-Chef Kai Diekmann. Dazu gehöre auch das Ertragen von Recherche und Berichterstattung ohne jede Einflussnahme sowie eine eigenständige und vollständige korrekte Information der Öffentlichkeit.



Die dju werde auch im neuen Jahr keine Verletzung dieser Prinzipien und keine Beeinträchtigung der Arbeitsmöglichkeiten ihrer Kolleginnen und Kollegen aller Medien hinnehmen, sondern im Gegenteil auch weiterhin allen den Rücken stärken, die sich dagegen zur Wehr setzen. „Wir müssen uns gegen alle Versuche wehren, Journalisten an ihrer Aufgabe zu hindern. Berühmtheit oder Prominenz dürfen dabei keine Rolle spielen“, betonte der dju-Vorsitzende.

Auch der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) forderte: „Prominente müssen sich kritische Berichterstattung als Teil der Meinungsfreiheit gefallen lassen“, machte DJV-Bundesvorsitzender Michael Konken deutlich. „Das müsste niemand besser wissen als der erste Mann im Staat.“ Der Bundespräsident habe nicht nur gesetzlich geregelte Aufgaben und Pflichten, ihm komme als Staatsoberhaupt auch eine Vorbildfunktion zu. Wulffs Versuche gegenüber Bild seien nicht vereinbar mit seiner Erklärung vom 22. Dezember, in der er die Bedeutung der Pressefreiheit ausdrücklich hervorgehoben habe.

Medienberichten zufolge hatte Wulff am 12. Dezember, kurz bevor in den Medien die ersten Berichten über seinen Privatkredit erschienen, persönlich bei seinem langjährigen Kumpel, „Bild“-Chefredakteur Kai Diekmann angerufen. Als er diesen nicht selbst an die Strippe bekam, schimpfte er auf dessen Mailbox und kündigte einen „endgültigen Bruch“ mit dem Springer-Verlag an, falls diese „unglaubliche“ Geschichte erscheine. In diesem Zusammenhang soll er auch von „Krieg führen“ gesprochen haben.

Im Gegensatz zu vielen (anderen) unbescholtenen Bürgern hatte sich Wulff in den vergangenen Jahren immer der fürsorgenden Berichterstattung der Springer-Blätter sicher sein können. Daran erinnerte jetzt das medienkritische Internetportal Bildblog mit Auszügen aus der früheren Hofberichterstattung der „Bild“. So am 22. Juli 2006 im Zusammenhang mit Scheidung und neuen Beziehung des späteren Bundespräsidenten: „Sie waren die schönste Liebes-Koalition des Abends! Zum großen Sommerfest von BILD-Hannover in den königlichen Herrenhäuser Gärten von Hannover brachte Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (47) seine neue Lebensgefährtin Bettina Körner (32) mit.“ Und am 20. November des selben Jahres: „Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (47, CDU) trägt eine andere Frisur! 40 Jahre lang pflegte er den braven Links-Seitenscheitel. Jetzt sehen wir ihn mit kurzem Pony, die Haare frech und modern mit Gel nach oben gezupft! (…) Wulff zu BILD: "Mir gefällt der Vorschlag meiner Friseurin!"“ Die Attribute für Wulff in der „Bild“ damals etwa: „Deutschlands beliebtester Landespolitiker“ Dieser revanchierte sich und trat bei der „Bild“-Werbekampagne „Ein Herz für Kinder“ auf oder kam am Rande der Berlinale 2009 als Gast zum „super exklusiven "7. Dinner unter Freunden" in den Axel Springer Journalistenclub“ (O-Ton Bild, 9. Februar 2009).

Unklar ist weiterhin, was Springer & Co. mit ihrer Kampagne gegen den Noch-Bundespräsidenten (Echtzeitabfrage: www.istchristianwulffnochimamt.de) eigentlich bezwecken. Bei manchen Medien könnte man sicherlich journalistische Ethik vermuten, Skandale aufzudecken, egal, wer betroffen ist. Aber bei Springer?

Quellen: Bildblog, dju, DJV / RedGlobe

 


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