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Die Flitterwochen der neuen Linkspartei sind vorbei, die Mühen der Ebene haben begonnen. Und da hat das zu Ende gehende Jahr gezeigt, dass es innerhalb der Partei Die Linke noch gewaltigen Klärungsbedarf gibt, trotz eines vom Parteitag beschlossenen und in einem Mitgliederentscheid mit 95,81 Prozent der abgegebenen Stimmen bestätigten neuen Parteiprogramm. Kaum wagt es ein führendes Mitglied dieser Partei, sich in einer Weise zu äußern, die dem bürgerlichen Mainstream in diesem unserem Lande missfällt, heulen nicht nur »Bild« und Konsorten auf, sondern auch die Medienlieblinge aus dem »Reformer«-Lager. Als am Jahresanfang Parteichefin Gesine Lötzsch in einem Artikel für die Tageszeitung »junge Welt« ihre Vision eines demokratischen Sozialismus erläuterte und über diesem die von der Redaktion erbetene Fragestellung »Wege zum Kommunismus« stand, forderte die CSU bereits ein Verbot der Linkspartei - und die üblichen Verdächtigen aus der eigenen Partei jammerten auch gleich rum. Ebenso, als im Sommer Lötzsch und ihr Mitvorsitzender Klaus Ernst ein Glückwunschschreiben an den früheren kubanischen Präsidenten Fidel Castro zu dessen 85. Geburtstag sendeten. Oder als es Teile der Partei wagten, nicht in den ebenso verlogenen wie verordneten Verurteilungschor zum Jahrestag des Mauerbaus am 13. August einstimmten.
Die Quittung für die Selbstzerfleischung sowie für eine Regierungspolitik, die das Prädikat »links« kaum verdient, bekam die Partei dann unter anderem bei den Berliner Abgeordnetenhauswahlen im Herbst, als sie nach zehn Jahren endlich aus dem Senat herausgewählt wurde. Die ihr als Juniorpartnerin der SPD nachfolgende CDU lobte denn auch prompt die gute Vorarbeit, die etwa der »linke« Wirtschaftssenator in seinem Amt geleistet hatte.
Die Initiative für Protest ging in der zweiten Jahreshälfte eher von der »Occupy«-Bewegung aus, die im September 40.000 Menschen gegen die Macht der Banken mobilisieren konnte, und deren Aktivisten zum Beispiel in Frankfurt noch immer in ihren Camps ausharren. Die Perspektive dieser spontanen Bewegung ist jedoch weiter unklar. Manche Umgangsformen, die in die Meetings (»Asambleas«) etabliert wurden, erinnern eher an esoterische Zirkel, und obskuren Grüppchen versuchen immer wieder, Einfluss auf die Bewegung zu nehmen. Zugleich umarmen von CDU/CSU bis Linke alle die Aktivisten, um den Protest wirkungslos verpuffen zu lassen.
Dieses Schicksal droht auch den Aufsteigern des Jahres, der Piratenpartei. Nach deren Einzug ins Berliner Abgeordnetenhaus gab es zunächst einmal einen riesigen Hype um die Gruppierung, und erstmals wurde ihr Bundesparteitag Gegenstand breiter Berichterstattung. Dabei braucht diese Organisation sicherlich noch einige Jahre, um ihr Profil über Internetthemen hinaus zu schärfen. Ob sie diese Zeit hat, wird sich zeigen.
In Berlin jedenfalls gab es schonmal gute Ansätze. Hier beteiligen sich die Piraten aktiv an den Volksbegehren, etwa dem erfolgreichen zur Offenlegung der Geheimverträge zur Wasserprivatisierung wie jetzt an der Volksinitiative gegen eine Privatisierung der Berliner S-Bahn, die vor wenigen Tagen die erste Hürde erfolgreich genommen hat. Sogar der öffentlich-rechtliche RBB kam nicht an der Tatsache vorbei, dass die Piraten und zahlreiche Initiativen hier auch mit der DKP zusammenarbeiten, die in diesen Initiativen als zuverlässige Kraft geschätzt wird.
Bundesweit sucht die DKP weiter ihren politischen Platz in der Landschaft. Noch immer umstritten ist das Verhältnis zur Linkspartei, die man trotz ihrer unzähligen antikommunistischen Abgrenzungsbeschlüsse weiter umwirbt. Dem Papiertiger »Europäische Linke« hält zumindest die Mehrheit der Parteiführung weiter die Treue und tut so, als sei man ganz wichtiges Mitglied in diesem Eintopf von Kommunisten, Reformisten und Irgendwielinken - obwohl man nur als Beobachter dort registriert ist. Dagegen wird sich gerne mal etwa von der Kommunistischen Partei Griechenlands (KKE) abgegrenzt, die an einem strikt marxistisch-leninistischen Kurs festhält.
Trotz solcher internen Querelen gelang es der DKP aber auch in diesem Jahr, Zehntausende Menschen zum Pressefest ihrer Wochenzeitung UZ nach Dortmund zu mobilisieren. Und in Berlin führte die dortige Landesorganisation der DKP einen engagierten Wahlkampf. Sie blieb damit die einzige kommunistische Partei dieses Landes, die zu einem sichtbaren Eingreifen in die politischen Auseinandersetzungen in der Lage war. Die MLPD spielte sich hingegen als Führungszentrum der marxistisch-leninistischen Weltbewegung auf. Die von ihr und einer Reihe ähnlicher Organisationen aus aller Welt in Berlin gegründete »Internationale Koordinierung revolutionärer Parteien und Organisationen« (ICOR) verkündete eine »weltweite Kampagne« zur Stillegung aller Atomkraftwerke und verurteilte die »Antikommunistische Hetze zum Tod Kim Jong-Ils«.
Die »Kommunistische Partei Deutschlands« (KPD) führte unterdessen in Berlin unter der wenig bescheidenen Losung »Kampf für die Einheit der Kommunisten mit marxistisch-leninistischem Programm und für eine antifaschistisch/antiimperialistische demokratische Volksfront« ihren nach eigener Zählung »27. Parteitag« durch, wobei die Zählung beim KPD-Gründungsparteitag 1918/19 beginnt, dann zwischen 1946 und 1990 eine jahrzehntelange Pause macht (und etwa die Parteitage der KPD im Westen ebenso ignoriert wie die Kongresse der SED), um dann ab 1990 insgesamt zwölf Treffen zu verzeichnen. Das Parteiblatt »Die Rote Fahne«, das nach gleicher Logik behauptet, von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht begründet worden zu sein und im 93. Jahrgang zu erscheinen, feierte den wegweisenden Parteitag: »Dieter Rolle, erneut als Parteivorsitzender gewählt, zog in seinem Rechenschaftsbericht des Zentralkomitees eine erfolgreiche Bilanz des politischen Wirkens der Partei. Zugleich analysierte er detailreich die Hintergründe der komplexen Krisensituation des imperialistischen Systems in diesem Lande und weltweit. Angesichts dieser Situation, so der Parteivorsitzende und viele Diskussionsredner, komme den gewachsenen Bestrebungen zur Herstellung der Aktionseinheit der Kommunisten in Deutschland eine eminent wichtige Bedeutung zu. Diese Einheit müsse schließlich gewährleisten, daß all die vielen Einzelaktionen gegen die herrschende Kriegs- und Sozialabbaupolitik zu einer antifaschistisch/antiimperialistischen demokratischen Volksfront führen.« Dabei hofft die KPD auf internationale Unterstützung: »Kommunistische Grüße übersandten dem 27. Parteitag das ZK der Partei der Arbeit Koreas, die Kommunistische Initiative Gera 2010 sowie die Botschaft der Demokratischen Volksrepublik Korea in Berlin.«
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Kommentare
Kalinka: Für das "link" bitte ich um Entschuldigung. Ich hatte den Verdacht, dass Du ein Troll bist.
Dass die die Parole nicht ausgeben wolltest, ist mir schon klar. Aber Du hast sie trotzdem formuliert.
Könntest Du formulieren, worin Du den Realitätsverlus t der DKP siehst ?
(Ich bin übriegns 1987 auch aus der DKP ausgeschieden, allerdings nicht durch Ausschluss. Der politische Grund war, dass ich wollte die Gorbatschowiade nicht mitmachen wollte. Allerdings sehe ich es heute als Fehler an, deswegen die Partei verlassen zu haben.)
Ich wollte keine Parole ausgeben, sondern nur darauf hinweisen wie die Lage der Kommunisten in unserem Land aussieht.Auch die Lage der Linken die keiner Partei angehören.
In der Partei der Linken habe ich mit meinen Vorstellungen keinen Platz. Dort hat der Revisionismus alles fest im Griff.
MLPD oder die selbsternannte "KPD" sind mir völlig zu wider und ich halte sie in keinster Weise für kommunistische Parteien.
In der DKP sehe ich noch die größten politischen Übereinstimmung en, beobachte aber schon seit Jahren einen enormen Realitätsverlus t und eine zunehmende und selbstauferlegt e Isolierung. Ich bin 1987 aus der DKP, nach über 15 jähriger Parteizugehörig keit ausgeschlossen worden weil ich mit Genossen aus anderen Organisationen, im betrieblichen und gewerkschaftlic hen Bereich zusammengearbei tet habe. Schon damals isolierte sich die DKP zunehmend von den notwendigen Auseinandersetz ungen innerhalb der linken Bewegung und schmorte lieber im eigenen Saft.
Wenn ich z.B. in der Frage DVR Korea und der Kim Familie, Gaddafi oder Ahmadinedschad eine andere Position wie du Sepp Aigner, vertrete, werde ich von Dir als Vertreter der herrschenden Klasse betitelt und als link bezeichnet. Eine kritische Diskussion ist doch kaum möglich.
Die DKP hinkt den Ereignissen meist hinterher und diskutiert erst dann über Fehler wenn es zu spät ist....Leider !!!
Die einen die sich auch so nennen, die LINKE, verkommen immer mehr im Parlamentarismu s und schmeißen alles was eine linke, antikapitalisti sche Partei ausmacht über Bord.
Sie haben Angst davor Stimmen zu verlieren, wenn sie zu sehr in die Nähe des Kommunismus gerückt werden und stimmen immer mehr im Chor der Gegner des Sozialismus und des Bürgertums mit ein.
Besonders peinlich finde ich wenn sie mit betretenen Mienen zur Kranzniederlegu ng Rosa Luxemburgs und Karl Liebknechts schreiten.
Was hat die Partei die LINKE denn noch mit diesen Revolutionären am Hut...???
Rosa Luxemburg hätte ihre Politik, ihren Revisionimus in der Luft zerrissen.
Die DKP in der noch einige gute Marxisten und Genossen organisiert sind, weiß auch keiner so genau wohin die Reise geht.
Der hohe Mitgliederverlu st hat den guten Einfluss in Betrieben und Gewerkschaften
auf ein Minimum reduziert und die Partei zerreibt sich dann auch noch in Flügelkämpfen und erreicht dadurch immer mehr völlige Bedeutungslosig keit.
Die MLPD und die Senioren "KPD" sind für mich keine ernst zu nehmende linken Organisationen und schaden zusätzlich noch dem Ansehen der Kommunisten in der Bundesrepublik Deutschland.
Die pseudolinken Phrasen wirken doch fast wie Realsatire.
Ihre Unterstützung für Nordkorea und den Kims 1-2-3 ist doch gerade zu grotesk.
Also sieht nicht gut aus... vielleicht sollten sich die linken, kommunistischen Kräfte neu organisieren und dabei eine marxistische Partei gründen die mit einer realistischen Zielsetzung und einem klaren klassenkämpferi schen Standpunkt, die Menschen in der Bundesrepublik anspricht.
Eine Partei die ihre Geschichte und die Differenzen aufarbeitet und zu richtigen, einheitlichen Entschlüssen kommt.