RedGlobe RSS-Feed

Translate RedGlobe

BesucherInnen:

Heute:917
Gestern:4607
Seit 1. Juni 2005:10867695
SchülerInnen-Initiative verurteilt Beschädigung von Ausstellung an HU | Drucken |  E-Mail
Schule & Uni
Donnerstag, den 13. November 2008 um 01:00 Uhr
Am Mittwoch den 12.11.2008 kam es in vierzig Städten im gesamten Bundesgebiet zu Bildungsstreiks. Organisiert wurden diese durch ein breites und überregional arbeitendes Bündnis aus Schülern, Schülerinnen und Studierenden. Insgesamt waren laut Veranstaltern über 100.000 Menschen auf der Straße. So beteiligten sich an den Aufzügen in Hannover 8.500 Personen, in Lüneburg 5.000 und in Hamburg 6.000 Personen.  Mit den Streiks und Demonstrationen wendeten sich die VeranstalterInnen und die an den Protesten Teilnehmenden unter anderem gegen die anhaltende Ökonomisierung und gleichzeitige Unterfinanzierung der Bildungseinrichtungen durch die öffentliche Hand. "Wir fordern eine gerechte Bildung für alle, bei der das Portemonnaie der Eltern egal ist", so Niklas Wuchenauer von der Berliner SchülerInnen-Initiative "Bildungsblockaden einreißen!".

Die Initiative kritisiert, dass "der Höhepunkt der Proteste (...) aber wieder einmal mehr der Polizei vorbehalten" war. In Berlin kam es im Verlauf der Kundgebung so weit, dass der Aufzug nicht wie von den Veranstalterinnen geplant zu Ende gebracht werden konnte. Nach dem bei einer Zwischenkundgebung auf der Straße Unter den Linden über tausend Teilnehmer und Teilnehmerinnen die Strecke verließen und kurzzeitig das Hauptgebäude der Universität besetzt wurde, kam es bereits beim Verlassen des Gebäudes zu Rangeleien mit der Polizei. Zudem kam es hier schon ersten Festnahmen und der Kontrolle der Personalien bei etwa einhundert, von der Polizei eingekesselten, Teilnehmern. "Dies war bereits der erste Schritt einen bis dahin friedlichen Protest zu kriminalisieren und den anwesenden Beamten und Beamtinnen das Signal zum ersten harten Durchgreifen," so einer der Veranstalter der Berliner Demo.

Die Situation bei der Demonstration in Berlin eskalierte weiter, als den Veranstalterinnen ihre ursprünglich geplante Stecke sowie der eigentliche Ort ihren Abschlusskundgebung versagt wurde. Geplant war, erneut vor die Humboldt-Universität zu ziehen. "Das den Teilnehmenden in diesem Maße ihr Recht auf die Äußerung ihrer Meinung versagt wird ist einfach nicht nachvollziehbar. Dass dann auch noch von Seiten der Polizei mit Tritten und Faustschlägen in das Gesicht von Jugendlichen und Kindern vorgegangen wird, setzt dem Ganzen noch die Krone auf."

Mit großem Bedauern haben der Anmelder sowie die Organisatorinnen der Berliner Demonstration darauf reagiert, dass im Verlauf der Besetzung des Hauptgebäudes der Humboldt Universität die Ausstellung „Verraten und Verkauft. Jüdische Unternehmen in Berlin 1933-45“ beschädigt wurde. Die SchülerInnen-Initiative „Bildungsblockaden einreißen!“ drückt außerdem in einem Offenen Brief an die Aussteller ihren Willen aus, einen Beitrag zum Wiederaufbau der Ausstellung zu leisten: "Es gehört zu den selbstverständlichen Grundsätzen der SchülerInnen-Initiative 'Bildungsblockaden einreißen!', dass wir Toleranz gegenüber Menschen mit anderen sexuellen Orientierungen, anderer oder ohne Religionszugehörigkeit, anderen Meinungen, anderen ethnischen Zugehörigkeiten und anderen Herkunftsländern für einen der wichtigsten Werte menschlichen Zusammenlebens halten. Homophobie, Xenophobie, Rassismus oder Antisemitismus sind damit absolut unvereinbar. Auch deswegen unterstützen wir alle Informationsangebote, die die Verbrechen gegen die Menschlichkeit während des NS-Regimes thematisieren. Auch deswegen verurteilen wir die Beschädigung der Ausstellung ausdrücklich.
An der Demonstration in Berlin nahmen, unseren Schätzungen nach, etwa 10.000 SchülerInnen teil. Unseren Informationen zufolge handelte es sich bei den Beschädigungen auf die Ausstellung jedoch nicht um gezielte Taten, sondern um die Folge einer über lange Zeit aufgestaute Wut bei SchülerInnen, von denen einige – ohne über die Form oder das Ziel ihrer Aggression nachzudenken – ihre Wut an den Plakaten ausgelassen haben. Unserer Meinung nach ist das auf keinen Fall eine Entschuldigung für die Vorkommnisse.
Wir möchten der Humboldt-Universität und dem Verein Aktives Museum Faschismus und Widerstand e.V. hiermit ausdrücklich anbieten, einen Beitrag beim Wiederaufbau der Ausstellung zu leisten oder anderweitig den entstandenen Schaden wieder gutzumachen."

Verwandte Artikel:
Neuere Artikel:
Ältere Artikel:

 
Schleswig-Holstein Sachsen-Anhalt Sachsen NRW Mecklenburg-Vorpommern Hessen Hamburg Bremen Berlin Bayern Baden-Württemberg Niedersachsen Brandenburg

Andere Seiten

junge Welt

Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend