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In einem Offenen Brief haben Berliner Schüler miserable Bedingungen an Berliner Schulen kritisiert. Anlass ist ein bundesweiter Schulstreik am 17.11., zu dem allein in Berlin 5000 Menschen erwartet werden. „Mit diesem Brief greifen wir nur die eklatantesten Probleme auf. Sicherlich werden jedem Schüler in Berlin weitere Missstände auffallen“, so Susanne Frick, Schülerin und Aktivistin im Bündnis Bildungsblockaden einreißen. Wir dokumentieren nachstehend den Wortlaut des Schreibens an den Berliner Bildungssenator.
Sehr geehrter Herr Dr. Jürgen Zöllner,
die Situation für die Schülerinnen und Schüler in Berlin hat sich in den vergangen Jahren nicht verbessert. Die Perspektive für Berliner Schülerinnen und Schüler auf ein auskömmliches Leben in weite Ferne gerückt. Auch die Einführung der Sekundarschule hat eher zu Verschlechterungen der Situation Jugendlicher geführt.
Für viele Schülerinnen und Schüler bedeutet das Ende der Schulzeit den Anfang der Aussichtslosigkeit: In Berlin fehlten im September 2011 nach den Zahlen der Bundesagentur für Arbeit fast 5000 Ausbildungsplätze. Die Tausende an Jugendlichen die in unvergüteten Warteschleifen sitzen sind da noch nicht mitgezählt. Auch für Abiturienten hat sich die Situation verschärft. An den großen Universitäten in Berlin ist kaum noch ein Jugendlicher mit einem Numerus Clausus von größer als 1,3 in Studiengängen zugelassen. Wir fordern den Berliner Senat auf, dem verstärkten Andrang von Schülerinnen und Schülern auf Universitäten und Ausbildungsbetriebe durch die Abschaffung der Zulassungsbeschränkung und den Ausbau der Studien- und Ausbildungsplätze politische Maßnahmen entgegenzusetzen. Zwangsexmatrikulation und Zugangsbeschränkung bei Masterstudiengängen für mehr Kapazitäten im Bachelorbereich sind dabei keine Lösung.
Auch die Selektion im Berliner Schulsystem führt einen Teil der Berliner Schülerschaft systematisch in die Perspektivlosigkeit. Dem Zugang zu Berliner Gymnasien für Jugendliche aus einem sozial schwächeren Kontext oder mit Migrationshintergrund sind weiterhin Steine in den Weg gelegt. Auch wenn keine Zahlen zu der konkreten Berliner Situation vorliegen, lässt sich nicht vermuten, dass sich die Zahlen wesentlich von einer bundesweiten Erhebung unterscheiden: In Deutschland besuchen gerade einmal 10% der Schülerinnen und Schüler mit einem sozial schwachen Hintergrund ein Gymnasium. Zusätzlich mussten 50% aller befragten Schüler mit sozial schwachem Hintergrund eine Klasse wiederholen. Das wirkt sich stark auf den späteren Lebensweg aus, da Ausbildungsbetriebe vorrangig hochqualifizierte Schüler einstellen. Noch härter trifft es die 7,5% der SchülerInnen, die bundesweit die Schule ohne einen Abschluss verlassen. In Berlin sind es sogar 10,6%!
Die Einführung der Sekundarschule hat an diesen Umständen nicht viel geändert. In Abgrenzung zum Gymnasium wird sich die Sekundarschule zu einer Restschule entwickeln. Eltern mit einem hohen Einkommen und höherer Bildung werden weiterhin versuchen ihre Kinder von solchen Schulen fernzuhalten. Schüler dieser Schulform sind zusätzlich damit konfrontiert, ein Jahr länger die Schule besuchen zu müssen als Gymnasiasten. Die Sekundarschule und ihr Abitur nach neun Jahren werden zwar dargestellt als eine Unterstützung von SchülerInnen, die intensivere Förderung benötigen, resultieren jedoch schlussendlich in der Manifestierung eines Zwei-Klassen-Abiturs. Wir fordern den Berliner Senat auf, eine konsequente Schulreform umzusetzen, bei der jede Selektion nach sozialem Hintergrund oder der Herkunft abgeschafft wird.
An allen öffentlichen Schulen und in jeder Schulform sind wir Schülerinnen und Schüler von akutem Lehrermangel betroffen. Auch wenn in den letzten Jahren neue Lehrerinnen und Lehrer eingestellt worden sind, ist die Quote an Berliner Schulen immer noch unterhalb der Quote von 110%, die für einen reibungslosen Schulablauf gewährleistet werden muss. Die hohe Arbeitsbelastung für Lehrkräfte verschlimmert die Situation an den Berliner Schulen. Es ist kaum vorstellbar, dass Lehrerinnen und Lehrer unter diesen Umständen eine angemessene Betreuung gewährleisten können. Zusätzlich ist der Krankenstand der Lehrer im Jahr 2011 mit 8,5% ist fast dreimal so hoch wie bei allen anderen Arbeitnehmer. Wir fordern den Berliner Senat auf, die Arbeitsbedingungen der Lehrkräfte zu verbessern. Wir fordern Entlastungsstunden im Alter, Reduzierung der Wochenstunden und Neueinstellung junger Lehrkräfte. Diese und viele weitere Missstände an Berliner Schulen sind seit Jahren bekannt. Um die Dringlichkeit notwendiger Reformen und Maßnahmen zu betonen, werden die Berliner Schülerinnen und Schüler diesen Donnerstag im Rahmen eines bundesweiten Bildungsstreik den Unterricht bestreiken und für eine gute Perspektive in und nach der Schule demonstrieren.
Mit freundlichen Grüßen, Schülerinnen und Schüler des Berliner Bündnisses Bildungsblockaden einreißen!
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