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Schwarze Deutsche kritisieren Grünen-Plakat als rassistisch | Drucken |  E-Mail
Wahlen 2009
Mittwoch, den 12. August 2009 um 01:15 Uhr
Mit Bestürzung und öffentlichem Protest hat die »Initiative Schwarze Menschen in Deutschland« (ISD) auf ein Kommunalwahl-Plakat der Grünen im nordrhein-westfälischen Kaarst reagiert. Auf dem Wahlplakat ist der nackte Hintern einer schwarzen Frau abgebildet, der von weißen Frauenhänden umfasst wird. Darüber ist der Slogan zu lesen: »Der einzige Grund, schwarz zu wählen«. Für die ISD steht fest: »Dieses Plakat ist rassistisch und sexistisch«.

Die Kaarster Grünen weisen diesen Vorwurf zurück: »Entgegen einiger Behauptungen in der aktuellen Medienlandschaft soll durch Wahl eines dunkelhäutigen Gesäßes keinesfalls der Eindruck entstehen, mit rassistischen Motiven zu spielen, durch Wahl eines weiblichen Gesäßes keinesfalls ein sexistisches Motiv unterstellt werden. Es handelt sich um die Darstellung zweier Frauen, die sich umarmen. Das Wort Schwarz steht für die Farbe der CDU«, schreibt diePartei auf ihrer Homepage. »Gerade die Grünen stehen für eine Politik, die sich durch Toleranz, Weltoffenheit und Gleichberechtigung auszeichnet. (...) Natürlich steht auch der Kaarster Stadtverband hinter Grünen Grundsätzen und kann diese Vorwürfe nicht nachvollziehen. Im Gegenteil könnte dieses Motiv als „antirassistisch“ bezeichnet werden, entsprechende Äußerungen erhielten wir als Reaktion von zahlreichen Menschen«, kommentiert der Kaarster Ortsverband der Hartz IV- und Jugoslawien-Krieg-Partei weiter. »Wir sehen das Plakatmotiv durchaus als provozierendes Element im Wahlkampf. Es soll dabei keineswegs Gefühle verletzen, sondern Menschen auf Grüne Politik, auf Grüne Inhalte und das Wahlziel hinweisen...«

Die ISD kritisiert, mit einer solchen Argumentation werde »in altbekannter Weise weiße Definitionsmacht mit Verweis auf anonyme Stimmen „mit Migrationshintergrund“ verteidigt, anstatt Verantwortung zu übernehmen, verschieben die Verantwortlichen ihren Rassismus in das Auge der Betrachtenden.« Dabei unterlaufe den Grünen jedoch »ein entlarvender Fehler«, so die ISD: »Wenn auch bei den Grünen „Menschen mit Migrationshintergrund“ herangezogen werden, um Rassismus bzw. Antirassismus  beglaubigen zu lassen, zeigt sich am Sprachgebrauch, dass Deutschland hier implizit nach wie vor als homogen und weiß imaginiert wird. Das ist jedoch bereits seit Generationen nicht mehr der Fall: Hier leben Schwarze Deutsche – ohne den viel zitierten „Migrationshintergrund“, aber mit Wahlrecht. Die Grüne Partei täte gut daran, dies endlich auch in ihrer Wahlkampfwerbung zur Kenntnis zu nehmen.«

»Sowohl dieses Plakat als auch die Arroganz, uns auf Grüne Grundsätze zu verweisen, um eine rassistisches und sexistisches Plakat zu verniedlichen symbolisieren, dass wir mit unseren Anliegen und Interessen nicht wahrgenommen und respektiert werden«, kündigt die ISD ihre bisherige Nähe zu den Grünen auf. »Schwarze Menschen werden zu Sexobjekten und Spielzeugen einer weißen Gesellschaft degradiert und diffamiert, die offenbar keinen besseren Grund sieht einen Schwarzen Menschen zu „wählen“, außer seiner Sexualität.«

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