| GDL: Wieder Streik - für eine Mogelpackung? | | Drucken | |
| Wirtschaft & Gewerkschaft |
| Dienstag, den 04. März 2008 um 22:51 Uhr |
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„Die GDL wird ab 10. März 2008 um 0:00 Uhr zum bundesweiten Streik im Nah-, Fern- und Güterverkehr sowie bei den S-Bahnen der Deutschen Bahn aufrufen. Es sei denn, die DB unterschreibt bis dahin den bereits endverhandelten Lokomotivführertarifvertrag (LfTV),“ erklärte der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL), Manfred Schell, heute in Frankfurt am Main. Dieser neue Ausstand könnte insbesondere in Berlin heftige Auswirkungen haben, denn dort beginnt in der kommenden Nacht bereits der von ver.di ausgerufene unbefristete Streik bei den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG). Während alle U- und Straßenbahnen und fast alle Busse in den Depots bleiben, ist die S-Bahn für viele der letzte Ausweg. Ab Montag könnte es auch damit vorbei sein.
Die GDL kritisiert die Haltung des Bahnvorstandes zum angestrebten Grundlagentarifvertrag. Dieser soll die Grundzüge künftiger Tarifpolitik zwischen den Gewerkschaften und der DB regeln. „Die bisherigen Entwürfe dieses Tarifvertrags sind jedoch absolut verfassungswidrig. Sie widersprechen der Koalitionsfreiheit nach Artikel 9 Abs. 3“, erklärte Schell. Der GDL wäre es demnach untersagt, Tarife bei der DB Zeitarbeit abzuschließen, selbst wenn sie 100 Prozent der Lokomotivführer in diesem Unternehmen organisiert hätte. Die DB sieht den Grundlagentarifvertrag als Voraussetzung für die Unterzeichnung des LfTV. Sie verweigerte außerdem inhaltliche Verhandlungen zum Grundlagentarifvertrag. Personalvorstand Margret Suckale verlangte stattdessen, dass vor dem Abschluss des Grundlagentarifvertrags ein Kooperationsvertrag mit einer konkurrierenden Gewerkschaft geschlossen werden müsse. Mit der Bedingung zuvor das Kooperationsabkommen zu abschließen, stellt der Arbeitgeber das Inkrafttreten des LfTV nach Ansicht der GDL unter den Zustimmungsvorbehalt einer konkurrierenden Gewerkschaft. „Das werden wir nicht akzeptieren“, so Schell. Streitpunkt zwischen den Gewerkschaften ist die Zugehörigkeit verschiedener Berufsgruppen zum Lokführertarifvertrag. Die GDL besteht z. B. auf die Einbeziehung der Lokrangierführer, einer Berufsgruppe bei der Bahn, der die GDL bisher keine Bedeutung beigemessen hat und die in ihrer großen Mehrheit bei der Transnet organisiert ist. Erschwerend kommt hinzu, dass sich das von der GDL ausgehandelte Ergebnis in seinen Details immer mehr als Mogelpackung erweist. So hat die GDL, um die plakativ hohen Prozentzahlen zu erreichen, zahlreiche Kompromisse akzeptiert. In die Gehaltstabellen werden gänzlich die Leistungszulage und das Urlaubsgeld sowie 50 Prozent des 13. Monatsgehaltes eingerechnet. Ebenso wird die Erhöhung der Entgelte mit der Einführung einer neuen Entgeltstruktur vermischt. Dadurch entstehen auch dort wiederum Verrechnungen von Gehaltssteigerungen, die die übrigen Eisenbahner zuzüglich zum Tarifabschluss der Tarifgemeinschaft Transnet und GdBA erhalten. Viele ältere Lokführer haben auch noch Zulagen und Besitzstände aus der Zeit der Zusammenführung von Reichsbahn und Bundesbahn im Jahr 1994, die mit den Tariferhöhungen abgeschmolzen werden. Zahlreiche weitere Details veranlassten Transnet und GDBA zu der öffentlich geäußerten Überlegung, einen eigenen Tarifvertrag für Lokführer zu verhandeln, da man nicht bereit sei, Verschlechterungen (!) für die eigenen Mitglieder zu akzeptieren. Quellen: GDL, UZ - Unsere Zeit / RedGlobe Neuere Artikel:
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