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Schwere Ausschreitungen in Nordirland | Drucken |  E-Mail
Irland
Sonntag, den 15. März 2009 um 12:26 Uhr
In der vergangenen Woche sind in Nordirland drei Mitglieder der britischen Sicherheitskräfte bei zwei Angriffen getötet worden. Für den Tod des britischen Polizeibeamten Stephen Carroll am 10. März übernahm die »Continuity IRA« die Verantwortung, während sich in einer verschlüsselten Nachricht an die Associated Press in Nordirland das »North Armagh-Battalion« der »Real IRA« zu dem zweiten Attentat bekannte und erklärte: »Solange es die britische Einmischung in Irland gibt, werden diese Angriffe weitergehen.«

Das Gebiet, in dem das zweite Attentat stattfand, ist eine bekannte republikanische Hochburg. Am Tag nach dem Attentat kam es zu den ersten Hausdurchsuchungen in Craigavon und dem nahe gelegenen Lurgan. Dabei kam es immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen Anwohnern und der Polizei, wobei die Polizei laut Berichten mit Steinen und Flaschen beworfen und Mistkübel angezündet wurden.Aufgrund der Ausschreitungen kam es immer wieder zu Verhaftungen der Protestierenden, vor allem von Jugendlichen.

Die ersten Verhaftungen im Zusammenhang mit dem Attentat in Craigavon waren ein Jugendlicher, 17, und Brendan McConville, 38. Gegen die Verhaftung des Jugendlichen protestierten seine Eltern heftig. Die Mutter erklärte der britischen Tageszeitung The Independent: »Mein Sohn ist unschuldig. Die einzige Waffe, die er in seinem Leben hatte, war eine Spielzeugpistole. Ich bin mir daher sicher, dass er bald wieder freigelassen wird. Aber dann wird für uns das Ganze noch nicht zu Ende sein. Ich habe Angst, dass wir Ziel von Loyalisten werden. Wir leben nahe an einem loyalistischen Gebiet, ich habe eine 16-jährige Tochter, die eine Freundin dort hat. Aber nun kann sie dort nicht mehr hin. Vor einigen Jahren wurde ein katholisches Mädchen ermordet, nur weil sie mit einem protestantischen Jungen ausgegangen war. Wir leben noch immer in einer gefährlichen Zeit und ich habe sehr große Angst.«

Der Stiefvater des Verhafteten betonte: »Sie haben meinen Sohn festgenommen, nur weil er einmal bei einem der Oster-Gedenken [zur Erinnerung an den irischen Aufstand von 1916] teilgenommen hat und dort haben sie sein Autokennzeichen aufgeschrieben. Alles, was er getan hat, ist republikanische Lieder zu hören. Aber er war nie politisch aktiv, er war nie Mitglied der IRA.«

Die zweite Verhaftung führte zu großem Aufsehen in der Bevölkerung und den Medien. Seit Jahren wird berichtet, dass große Teile der nationalistischen Bevölkerung mit der Führung von »Provisional Sinn Féin« brechen und republikanische Gruppen, die das Karfreitagsabkommen von 1998 ablehnen, Zustrom genießen. Dies scheint sich nun zu bestätigen, denn der zweite Verhaftete, Brendan McConville aus Lurgan, ist ehemaliger »Provisional Sinn Féin«-Abgeordneter im Gemeinderat von Craigavon, der aufgrund des politischen Kurses der Partei diese verlassen hat.

Am 14. März kam es zu Verhaftungen von drei weiteren Männern im Alter von 21, 32 und 41 Jahren, die im Zusammenhang mit dem Attentat auf die britische Kaserne stehen sollen. Sie wurden in Lurgan und dem Gebiet Bellaghy verhaftet. Einer der Verhafteten ist der ehemalige IRA-Gefangene und prominente Republikaner Collin Duffy. Er saß schon in den 1990er Jahren im Gefängnis und galt als einer der bekanntesten Mandanten der irischen Anwältin Rosemary Nelson, die durch eine loyalistische Autobombe 1999 in Lurgan zu Tode kam. Duffy genießt unter der republikanischen Bevölkerung aufgrund seiner sozialen und politischen Aktivitäten sehr großes Ansehen.

Schwere Ausschreitungen

Nachdem die Welle an Straßensperren, Hausdurchsuchungen und Verhaftungen nicht abzureißen scheint, brachen militante Proteste gegen die Polizei im Norden Irlands aus. In mehreren Städten lieferten sich Jugendliche Straßenschlachten mit der Polizei. Sie vermummten sich, bauten Barrikaden und bewarfen die Polizei mit Steinen und Molotow-Cocktails, um die nationalistischen Gebiete vor weiteren Hausdurchsuchungen zu schützen. Von Bewohnern wird berichtet, dass über den nationalistischen Gebieten von Armagh, Newry, Belfast, Derry und Fermanagh pausenlos Hubschrauber kreisen.

Zu den schwersten Zusammenstößen kam es in Lurgan, das bereits im August Schauplatz von Ausschreitungen und Attentaten der »Continuity IRA« war. Die britische Zeitung Daily Mail titelte: »Ausschreitungen kehren auf Ulsters Straßen zurück«.

Der gute Kenner des irischen Republikanismus Ed Moloney, Autor von »A Secret History of the IRA«, schrieb am 10. März in der selben Zeitung unter der Überschrift »Diese Angriffe waren ein Rekrutierungsruf in der Bogside [in Derry]«, wenn man zu all den bestehenden sozialen und nationalen Diskriminierungen noch die neu entstandenen Problem der »Rezession, die jeden Tag mehr wie eine Depression aussieht« hinzu nehme, könne verstanden werden, wieso Republikanerinnen und Republikaner meinen, ihr Tag sei gekommen.

Irish Republican Correspondent, 14ú Márta / März 2009, Published by the Republican Sinn Féin International Relations Bureau in Central Europe / RedGlobe

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