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Nazi-Mord in Moskau: Linke Skins trauern um einen Freund und Genossen | Drucken |  E-Mail
Russische Föderation
Freitag, den 17. Oktober 2008 um 13:11 Uhr
In den frühen Morgenstunden des 10. Oktobers 2008 wurde in Moskau der 27-jährige "Fedjay" Feodor Vasilevich Filatov Opfer eines Überfalls. Er starb kurz darauf im Krankenhaus an den Folgen mehrerer Stichwunden. "Fedjay" gehörte zu den linken, antifaschistische Skinheads, die sich auch in Russland in der antirassistischen Organisation SHARP zusammengeschlossen haben.

Wie die Organisation informiert, ging Filatow am Freitag vor einer Woche um etwa 7:30 Uhr zur Arbeit, als er direkt vor seinem Wohnhaus von vier mit Messern bewaffneten Unbekannten angegriffen wurde. Er starb im Krankenhaus ohne wieder zu Bewußtsein zu gelangen.

"Wir, seine Freunde und Genossen, sind zutiefst betrübt über seinen viel zu frühen Tod", schreibt die Berliner RASH (Red and Anarchist Skinheads) in einer Erklärung. "Wir erinnern uns an Ihn als einen aufrichtigen Freund der weder Fremde in Not, noch seine Genossen und Freunde in bedrohlichen Situationen im Stich ließ. Er gehörte zum Kern der Moscow-Trojan-Skinheads, einem Zusammenschluss antirassistischer SHARP-Skinheads aus Moskau und dem Moskauer Umland. Zur Entwicklung der russischen antirassistischen Skinhead-Szene trug er bei wie kein anderer. Hier in Berlin ist er uns noch in guter Erinnerung: Im Februar 2008 war er für eine Woche zu Besuch, im Mai 2008 besuchten wir ihn in Moskau."

Die deutschen Redskins haben keinen Zweifel daran, dass ihr Freund für seine antifaschistischen Überzeugungen ermordet wurde: "Sein Gesicht war den meisten Neo-Nazis in Moskau und Russland bekannt, auf mehreren russischen 'Anti-Antifa'-Websites sind Fotos von ihm veröffentlicht worden. Auch Tatort und Tatzeit lassen keinen anderen Schluss zu, dass Feodor Filatov, gezielt von Anti-Antifa-Aktivisten ausgespäht und anschließend gezielt ermordet wurde. Die Erinnerung an ihn wird ewig in unseren Herzen leben. Ruhe in Frieden, Bruder. Wir werden ihn nie vergessen und wir werden niemals vergeben."

Um den Druck auf die russischen Behörden, die den zahlreichen Morden durch rechte Gewalt und dem Anwachsen faschistischer Strukturen tatenlos zusehen, zu erhöhen, rufen die linken Skins für den heutigen Freitag um 17 Uhr zu einer Kundgebung in Gedenken an Fedyaj vor der russischen Botschaft in Berlin (Unter den Linden 63-65, direkt neben der S-Bahnhaltestelle Unter den Linden).

Mit Hilfe der antifaschistischen Kulturinitiative Cable Street Beat (CSB) Gütersloh konnte kurzfristig ein Spendenkonto für die Angehörigen Fedyajs eingerichtet werden. Das Spendenkonto lautet: Sparkasse Gütersloh, Kontoinhaber: Jugendclub Courage, Kontonr.: 36493, BLZ: 47850065, Stichwort: CSB - Fedyaj

Im Fall von Fedyaj werden alleine für seine Beerdigung in Moskau ca. 10.000 Euro benötigt (der Platz auf dem Friedhof muss gekauft werden). Es werden zusätzliche Kosten entstehen, um die Anwaltskosten zu decken. Sollte es zu einer Anklage kommen, muß der Rechtsanwalt, der die Interessen von Fedyajs Familie vertritt, bezahlt werden. Ebenso geht es um eine finanzielle Unterstützung von Fedyajs Familie (Mutter und Schwester mit Kind), die aus einfachen Verhältnissen kommen und solche für sie utopisch hohen Summen nicht auftreiben können. Sollte es zu einem Überschuss kommen, werden diese Gelder für den bereits zur Verfügung stehenden Topf zur Unterstützung der russischen Antifa, abgetreten.

In den russischen Medien wird bislang gar nicht über den Mord am Antifaschisten Fedyaj berichtet. Lediglich einige wenige Internet-Portale berichten über den Mord. "Wir fordern alle sich als antifaschistisch verstehenden Menschen in Deutschland dazu auf, sich diesen Aktionen aktiv anzuschließen. Wir würden uns insbesondere darüber freuen, wenn sich auch Menschen aus den russischsprachigen Communities beteiligen: 'Sieg über den Faschismus' darf nicht bedeuten, dass man lediglich in nostalgischer Erinnerung auf das Jahr 1945 zurück blickt und die gefallenen Soldaten der Roten Armee, Partisanen und Veteranen ehrt. Gelebter Antifaschismus bedeutet, dass egal ob im heutigen Russland, der Ukraine, Deutschland oder sonst wo, nationalistisch-faschistische Positionen geächtet werden und faschistische Strukturen bekämpft werden auf allen Ebenen und mit allen Mitteln", heißt es in dem Aufruf von RASH Berlin-Brandenburg. "Wir sind keinesfalls anti-russisch eingestellt. Auch hier in Deutschland gibt es ein massives Problem mit Nationalismus, Rassismus, Antisemitismus und Homophobie, etc.. Wir hegen keinen Hass auf die russische Bevölkerung. Im Gegenteil, wir unterstützen unsere russischen Freunde und Genossen im Kampf gegen den erstarkten Faschismus in Russland. Einige von uns sind im regen Kontakt mit russischen Antifaschisten und besuchen sie regelmäßig in Russland. Ein Gesellschaftsklima, in dem Nationalismus, Rassismus, Antisemitismus und Homophobie und andere Diskriminierungsformen wachsen können, wird von uns kritisiert und bekämpft, egal ob in Russland oder Deutschland."