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Streik jetzt in zehn Bundesländern | Drucken |  E-Mail
Wirtschaft & Gewerkschaft
Montag, den 13. Februar 2006 um 11:17 Uhr
BeschäftigteimöffentlichenDienststreikenVon heute an wird der Streik im öffentlichen Dienst deutlich ausgeweitet: Die Beschäftigten der Länder sind nun auch einbezogen. Mehr als 94 Prozent von ihnen sprachen sich in den Urabstimmungen dafür aus. Dieses Ergebnis zeuge, so der ver.di-Vorsitzende Frank Bsirske am 10. Februar in Berlin, von der hohen Streikbereitschaft der Kolleginnen und Kollegen. Bei den Ländern will ver.di wie bei Bund und Kommunen den Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD) durchsetzen. Seit dem 6. Februar wird bereits in Baden-Württembergs Kommunen gestreikt. Damit verteidigt ver.di Arbeitszeit und Arbeitsplätze; die Arbeitgeber wollen die Arbeitszeit von 38,5 auf 40 Stunden pro Woche erhöhen.
Einer der Streikenden ist Alfons Kohl, Straßenwärter bei der Straßenmeisterei Ampfing in Bayern. "Es fehlt himmelweit“, sagt Alfons Kohl, „ich weiß gar nicht, wo ich da mit dem Aufzählen anfangen soll.“ Das Personal in der Dienststelle werde immer weniger, weshalb nur noch absolute Kernarbeiten erledigt werden können; „Arbeiten zum Unterhalt der Strecken bleiben auf derselben“ witzelt er. Es gebe Straßen, wo man sich mit dem Kehrfahrzeug nicht mehr drüber traue, denn „sonst geht gleich die ganze Straße mit“. Quasi die „Kehrseite“ eines ausgeglichenen Haushalts ...

Dabei ist Alfons nicht mal gegen das Sparen. „Aber wenn man alles verkommen lässt, dann kostet es später das zehnfache, das wieder herzustellen. Kein Privater würde so wirtschaften“, schimpft er. „Es gibt bei uns mittlerweile Straßen, die sind schon fast kriminell. Da herrschen Zustände wie im alten Rom.“

Alfons und seine Kollegen sind für die Straßen im Landkreis Mühldorf zuständig; darunter sind auch einige sogenannte „24-Stunden-Strecken“, also Straßen, die rund um die Uhr überwacht und geräumt werden müssen, wie die B12.

Durch die Zusammenlegung zweier anderer Straßenmeistereien kommen demnächst nochmal 50 km dazu. Ein Riesengebiet, das mit immer weniger Personal immer weiter ausgedehnt wird. „Manchmal hat man den Eindruck, dass diese Überforderung gewollt ist“, mutmaßt Alfons: „Dann hätte man gleich ein Alibi für geplante Privatisierungen.“

Der gelernte Zimmerer kam 1986 zur Straßenmeisterei, als Seiteneinsteiger. Mittlerweile ist die politische Vorgabe, dass nur noch gelernte Straßenwärter eingestellt werden. Lehrstelle gibt es in Ampfing allerdings nur eine ... So verwundert es auch nicht, dass der Altersdurchschnitt der Beschäftigten mittlerweile bei 45 Jahren liegt.

Die Arbeit mit Wechselschichten, wenigen Ruhezeiten und Rufbereitschaften geht entsprechend an die Substanz: Man hat zwar Pausen, ist aber meist total am Anschlag“, sagt Alfons.

Dass er und seine Kollegen nun auch noch dreieinhalb Stunden länger arbeiten sollen, ist für ihn „die reinste Watschn“. Nicht nur, dass der Job noch härter würde: „Bei 42 Stunden ohne Lohnausgleich schenkst du ein ganzes Monatsgehalt her“, hat er ausgerechnet. Deshalb ist für ihn und seine Kollegen sonnenklar, dass sie sich das nicht gefallen lassen werden: „Wenn gestreikt wird, sind wir alle dabei!“



 

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