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Landraub für Taschentücher: Indianer und ROBIN WOOD-AktivistInnen protestieren vor dem Tempo-Werk
Brasilien
Donnerstag, den 04. Mai 2006 um 19:43 Uhr

ROBIN WOOD-AktivistInnen blockieren zurzeit die Zufahrten zum Tempowerk von Procter&Gamble in Neuss. Sie haben drei Dreibeine aus Gerüststangen aufgestellt, in denen AktivistInnen auf fünf Meter Höhe hängen. Dazwischen spannten sie ein Transparent mit der Aufschrift: 'Wir haben die Nase voll! Stoppt Landraub und Umweltzerstö­rung für Tempo'. Vor Ort sind auch ein Tupinikim- und ein Guarani-Indianer aus Brasilien. Sie protestieren dagegen, dass der Zellstoff­kon­zern Aracruz ihnen 11.000 Hektar Land im Bundes­staat Espirito Santo weggenommen hat, um dort Eukalyptus-Monokulturen anzulegen. Nach Re­cherchen von ROBIN WOOD landet der Ara­cruz-Zellstoff in Form von Tempo-Taschentüchern so­wie als Charmin- und bess-Klopapier auch auf dem deutschen Markt. Hersteller dieser Produkte ist der multinationale Konzern Procter&Gam­ble (P&G). Eine Delegation der Tupinikim und Guarani sowie ROBIN WOOD überreichte P&G heute eine Erklärung, in der sie den Konzern auffordern, die Zusammenarbeit mit dem Lieferanten Aracruz auf Eis zu legen, solange der Konzern diesen und alle weiteren Landkonflikte mit India­nern, Landlosen und Quilombolas (Afrobrasilianern) nicht im Einvernehmen mit den Betroffenen gelöst hat.

Aracruz, der weltweit größte Produzent von gebleichtem Zellstoff, hat in Brasilien großflächig Küsten­regenwald (Mata Atlantica) gerodet, um dort Eukalyptus-Monokulturen anzulegen. Nach eigenen An­gaben besitzt der Konzern inzwischen 247.000 Hektar Eukalyptus-Plantagen. Während der brasilia­nischen Militärdiktatur hatte der Konzern die Ureinwohner von ihrem angestammten Land vertrieben, um seine Plantagen auszuweiten.

Bis heute weigert sich Aracruz mit Gewalt und juristischen Tricks, den Tupinikim und Guarani 11.000 Hektar ihres Landes in Espirito Santo zurückzugeben. Die Indianerbehörde FUNAI hat inzwischen be­stätigt, dass den Indianern das Land rechtmäßig zusteht. Im Januar des Jahres eskalierte der Konflikt. Bewaffnete Einheiten stürmten in Kooperation mit Aracruz die Indianerdörfer Corrego do Ouro und Alho de Agua, feuerten mit Gummigeschossen und jagten die Flüchtenden mit Hubschraubern.

'Die Menschen in Deutschland sollen erfahren, dass wir Tupinikim und Guarani für die Rohstoffe von Tempo brutal vertrieben werden', sagt Tupinikim Paulo Henrique Vicente de Olivira, Koordinator von Brasiliens zweitgrößter Indigenen-Organisation APOINME, dem bei dem Überfall im Januar ein Arm gebrochen wurde. 'Procter&Gamble ist mitschuldig daran, dass uns Aracruz das Land genommen, unsere Wälder dem Erboden gleich gemacht und unsere Flüsse mit Chemikalien vergiftet hat', sagt Wera Kwaray, Häuptling des Guarani-Dorfes Boa Esperanza. 'Aracruz zerstört unsere Kultur.'

Der Landrechtsstreit mit den Tupinikim und Guarani ist nicht der einzige im Skandalunternehmen Ara­cruz. Letzte Woche besetzten 200 landlose Familien rund 8.700 Hektar Land von Aracruz in der Nähe der Zellstoff-Fabrik von Aracruz in Espirito Santo. Sie beschuldigen den Konzern, sich öffentliches Land - so genannte 'devolutas' - illegal unter den Nagel gerissen zu haben. Auch die Quilombolas fordern Zehntausende Hektar Land von Aracruz zurück.

Obwohl ROBIN WOOD Procter&Gamble über den Landraub und Umweltsünden von Aracruz ausführlich informiert hat, weigert sich der Konzern, seine Geschäftsbeziehungen zu Aracruz auf Eis zu legen. Nicht einmal zu Gesprächen mit Vertretern der Indianer war der Konzern bislang bereit. Auch sonst wird Procter&Gamble seiner ökologischen Verantwortung nicht gerecht. So hat P&G - im Gegensatz zu den meisten Konkurrenten - für den privaten Konsum nicht einmal Recyclingpapier-Produkte im Angebot.

 Quelle: Pressemitteilung Robin Wood

 

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