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| Afghanistan |
| Sonntag, den 10. Februar 2008 um 16:04 Uhr |
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Den Kommentar von Stimme Russlands hören: Hier klicken Der staatliche russische Rundfunksender Stimme Russlands (früher: Radio Moskau) behandelte in seiner Sendereihe "Notizen zum Wochenende" die bevorstehende Ausweitung der deutschen Besatzung in Nord-Afghanistan. Dabei analysiert der Sender deutsche Pressestimmen zu dem Einsatz. Wir dokumentieren den Wortlaut der Sendung als einer von den Interessen der NATO unabhängigen Stimme. Erstmals in der Nachkriegsgeschichte wird Deutschland eine Truppeneinheit für Kampfhandlungen ins Ausland schicken. Wie der Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung mitteilte, habe die Regierung entscheiden, der Bitte der NATO zu entsprechen und ein zusätzliches Bundeswehr-Kontingent mit 250 Mann zur Ergänzung der Schnellen Eingreiftruppe – der Quick Reaction Force, kurz QRF genannt – nach Afghanistan zu entsenden. Die deutschen Soldaten sollen die Norweger ablösen, die in diesem Jahr den Hindukusch verlassen. Zur Aufgabe der QRF gehört es, die Mission der unter der Ägide der NATO agierenden internationalen Truppen der ISAF zu gewährleisten. Eine Teilnahme der Bundeswehrangehörigen an Gefechten ist dabei nicht ausgeschlossen. Diesem Thema sind die heutigen „Notizen zum Wochenende“ von Oleg Sewergin gewidmet. Man werde auch schießen müssen, so übertitelte die Zeitung „Junge Welt“ ihren Kommentar zur oben erwähnten Entscheidung des deutschen Kabinetts. Diese Überschrift wurde nicht zufällig gewählt. Die Hauptaufgaben des 3 240 Mann zählenden deutschen Militärkontingents sind die Hilfe beim Wiederaufbau des friedlichen Lebens in Afghanistan und die humanitärer Unterstützung der Bevölkerung. Doch die nun nach Afghanistan in Marsch zu setzende Einheit wird in der Praxis alles demonstrieren müssen, was sie in der Armee gelernt hat. Wie Minister Franz Josef Jung mitteilte, werde die deutsche Einheit der QRF ebenso wie das deutsche Hauptkontingent in der Aktionszone Deutschlands, also im Norden des Landes, eingesetzt. Obwohl diese Region als relativ ruhig gilt, umfassen die Aufgaben der neuen zusätzlichen deutschen Einheit auch den Einsatz der Waffe. Das bestätigte mit aller Offenheit während der sogenannten „aktuellen Stunde“ im Bundestag auch der Staatssekretär des Bundesverteidigungsministeriums Thomas Kossendey. Er sagte, die Soldaten der QRF müssten nicht nur in der Rolle der Beschützer, Helfer und Vermittler für die Teilnehmer der ISAF-Mission auftreten, sondern auch in Gefechten ihren Mann stehen. Die Zeitung „Der Tagesspiegel“ veröffentlichte ein Interview mit dem Kommandeur der norwegischen QRF-Einheit Rune Solberg, in dem dieser der künftigen „Ablösung“ sein Geleitwort gab. An den Journalisten gewandt, sagte er: „Ihr müsst eure Soldaten psychologisch auf die Teilnahme an Kampfhandlungen vorbereiten.“ Vor allem aber betonte Rune Solberg, dass die Soldaten bereit sein müssten, wenn es soweit kommen sollte, möglicherweise auch ihr Leben zu opfern. Sie müssten auch psychologisch darauf vorbereitet sein, dass sie töten müssen. Wie der norwegische Offizier meinte, hätten seine Soldaten das, was nun den Deutschen bevorstehe, hinter sich. Auch sie hatten erstmals nach den Zweiten Weltkrieg an wirklichen Gefechten teilgenommen. Nicht alle seien moralisch darauf vorbereitet gewesen. Aber glücklicherweise habe es keine Verluste gegeben, sagte der Offizier. Im Unterschied zu den Norwegern haben die deutschen Militärangehörigen, selbst ohne in Zusammenstöße mit Talibankämpfern verwickelt gewesen zu sein, in den vergangenen Jahren 26 Soldaten und Offiziere verloren. Deshalb kann man jene Politiker und einfachen Bürger Deutschlands verstehen, die gegen eine Fortsetzung des Afghanistan-Einsatzes der Bundeswehr eintreten. Zumindest 85 Prozent der BRD-Bürger haben sich bei einer jüngsten Meinungsumfrage gegen die Entsendung deutscher Soldaten in die umkämpften Südprovinzen Afghanistans ausgesprochen. Aber gerade das verlangen heute das Pentagon und die NATO-Führung. Und um wenigstens dem Hauptverbündeten etwas entgegen zu kommen, hat die Kabinettschefin Angela Merkel die Entscheidung getroffen, Bundeswehrangehörige für die QRF-Truppen zur Verfügung zu stellen. Die Opposition ist nicht geneigt, dieses Handeln der Regierung mit dem aus Übersee ausgeübten Druck zu rechtfertigen, und hat es scharf kritisiert. Für eine Kritik gibt es genug Gründe. So hat der Vorsitzende des Bundeswehrverbandes Bernhard Gertz gesagt, dass die Truppen für die Teilnahme an Gefechten in entsprechender Weise ausgerüstet sein müssten. Er bemerkte, dass es ihnen gegenwärtig insbesondere an Kommunikationsmitteln und an Militärtechnik mangele, welche man mit Hubschraubern schnell verlegen könne. Er sagte, dass es selbst an Hubschraubern mangele. Wie aber könne man da die Evakuierung der Verwundeten aus dem Gefecht gewährleisten? Auch der moralische Geist in den Einheiten des deutschen Kontingents im Hindukusch sei nicht ideal, bemerkte er. So hatte dieser Tage das in Berlin präsentierte Buch „Endstation Kabul“ aus dem Econ-Verlag wie eine Bombe eingeschlagen. Sein Autor ist der ehemalige Unteroffizier Achim Wohlgethan, der mit dem Pseudonym „Klaus F.“ unterzeichnete. Er war seinerzeit in Afghanistan im Einsatz. Im Buch erzählt er von Fällen einer durchgehenden Trunkenheit, aber auch von Operationen, die unter Verletzung des Mandats der Bundeswehr durchgeführt wurden. Er schreibt auch über Einsätze der KSK, welche man vor der deutschen Öffentlichkeit geheim gehalten habe. Bei der in Vilnius stattfindenden Beratung der Verteidigungsminister der NATO-Mitgliedsländer steht das Thema Afghanistan mit im Vordergrund. Das wird ebenfalls in Bukarest beim künftigen NATO-Gipfeltreffen so sein. Es ist klar, dass der aus Übersee auf Deutschland und die anderen Bündnispartner ausgeübte Druck nur zunehmen wird. Allerdings wird es nur von ihnen selbst abhängen, ob sie der Initiator des Krieges gegen den Weltterrorismus in den Sumpf des von ihm selbst heraufbeschworenen politischen und militärischen Chaos im Hindukusch mit hineinziehen kann. Quelle: Stimme Russlands / RedGlobe Neuere Artikel:
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