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Zeitung vum Letzeburger Vollek

US-Konzerne gegen Wikileaks | Drucken |  E-Mail
USA
Samstag, den 04. Dezember 2010 um 21:19 Uhr

Hände weg von Wikileaks!Mit Paypal hat der nächste US-Grosskonzern demonstriert, was er tatsächlich von Informationsfreiheit hält. Heute sperrte das Unternehmen das Spendenkonto der Enthüllungs-Website, die sich nach der Enthüllung von Geheimdokumenten der US-Diplomatie zunehmend unter Druck sieht. So wurde mit massiven Hackerangriffen versucht, die Seite zum Absturz zu bringen. Wie das Onlinemagazin »The Tech Herald« berichtet, soll der Urheber dieser sogenannten DDOS-Angriffe ein »Jester« sein, der sich über seinen Twitter-Account »th3j35t3r« als US-Militarist outet: Die Angriffe seien Antwort auf Wikileaks' Versuche, »das Leben unserer Truppen, Werte und Aussenbeziehungen in Gefahr zu bringen«. In Folge der Angriffe kündigte auch der Grosshändler Amazon dem Provider von Wikileaks, dem schwedischen Hoster »Bahnhof«, die angemieteten Server.

Vermutet wird allerdings, dass für Amazon die Hackerangriffe nur ein willkommener Vorwand waren, Wikileaks loszuwerden. Zuvor hatte US-Senator Joseph Lieberman von dem Unternehmen gefordert, das Hosting der Website zu beenden. Für Wikileaks war die Amazon-Begründung für die Kündigung deshalb nur ein Vorwand, und man forderte das Unternehmen auf, auch den Buchverkauf zu beenden, »wenn sie mit Informationsfreiheit solche Probleme haben«.

Auch der für »digitale Wirtschaft« zuständige französische Industrieminister Eric Besson blies zur Jagd auf Wikileaks. Nachdem der Dienst von Amazon zu einem französischen Hoster gewechselt war, erklärte der Minister, es sei »unakzeptabel«, dass Frankreich Webseiten hoste, die diplomatische Geheimnisse verletzten.

Auch der Domain-Hosting-Dienst EveryDNS reihte sich in die Angriffe auf Wikileaks ein und schaltete die zentrale Internetadresse der Website ab. Wikileaks.org ist seither nicht mehr erreichbar, um auf die IP-Adresse http://213.251.145.96 zu kommen, dienen nun andere Adressen wie wikileaks.de, wikileaks.ch, wikileaks.nl und wikileaks.fi.

Hinzu kommt die Hexenjagd auf Wikileaks-Gründer Julian Assange, dem von der schwedischen Justiz in einem merkwürdigen Verfahren Vergewaltigung vorgeworfen wird. Assange war bereits im Sommer - unmittelbar nach der Veröffentlichung der US-Dokumente über den Irak-Krieg - in Schweden festgenommen, dann aber wieder freigelassen worden. Nun bereitete es der schwedischen Justiz Schwierigkeiten, einen gültigen Haftbefehl zu erlassen. Der zeitliche Zusammenfall der erneuten Jagd auf Assange deutet stark darauf hin, dass es nicht um eine Straftat Assanges geht, sondern vielmehr um einen Versuch, ihn und Wikileaks mundtot zu machen.

Einen anderen Weg gehen unterdessen internationalen Medien wie »Der Spiegel«, »El País«, »Guardian« und »The New York Times«, denen Wikileaks die gesamten 250.000 Dokumente übergeben hatte. Diese Medien suchen sich aus dem Material nur Einzelstücke heraus, die ihnen in den Kram passen, und lenken die internationale Öffentlichkeit mit Bonmots über gegenseitige Beleidigungen von Politikern und Diplomaten von den eigentlich interessanten Dingen ab.

So geht aus einer Depesche aus dem Jahr 2009 hervor, wie britische Diplomaten das Parlament täuschen wollten, um den US-Streitkräften trotz Verbots auf britischem Territorium eine Stationierung von Streubomben zu ermöglichen. US-Vizepräsident Joe Biden wird in einem anderen Dokument mit den Worten zitiert, Deutschland habe bei der Polizeiausbildung in Afghanistan »völligen Mist gebaut«. Und die US-Botschaft in Caracas bat das Verteidigungsministerium in Washington um Unterstützung bei einer Propagandakampagne in Venezuela, um das rapide sinkende Ansehen der USA in dem südamerikanischen Land zu verbessern.

Am gestrigen Sonnabend legte Kubas Aussenminister Bruno Rodríguez beim Iberoamerikagipfel im argentinischen Mar del Plata zwei Wikileaks-Dokumente vor, die belegen, wie die USA versuchten, den Einsatz kubanischer Ärzte in anderen Ländern zu behindern.


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Kommentare 

 
0 #2 2010-12-06 10:36
zitiere lijlojlj:
Amazon hat die Hackerangriffe nicht als Grund genannt, sondern einen Verstoß gegen die Nutzungsbedingu ngen!


Man kann immer einen "legalen" Grund für ALLES finden!!
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+1 #1 2010-12-04 21:53
Amazon hat die Hackerangriffe nicht als Grund genannt, sondern einen Verstoß gegen die Nutzungsbedingu ngen!
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